Prognose des Lehrstuhls für Epidemiologie: Spanien wird Weltmeister! Vermutlich.
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Morgen beginnt mit der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den USA das größte Fußballturnier der Welt. Erstmals treten 48 Nationen gegeneinander an, um den neuen Weltmeister zu ermitteln. Fußballfans rund um den Globus fiebern dem Turnierstart entgegen und stellen sich die große Frage: Wer holt den Titel? Spanien, England oder Frankreich? Kann Deutschland überraschen? Oder sorgt eine andere Nation für eine Sensation?
Wenn es nach dem internationalen Forscherteam um Dr. Gunther Schauberger (Lehrstuhl für Epidemiologie von Prof. Dr. Stefanie Klug) sowie weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Innsbruck und Dortmund sowie der Hochschule Molde geht, hat Spanien die größten Titelchancen. Mithilfe eines statistischen Prognosemodells, das Datenanalysen, Quoten von Wettanbietern und moderne Methoden des maschinellen Lernens kombiniert, errechnet das Team für die spanische Nationalmannschaft eine Titelwahrscheinlichkeit von 14,5 Prozent.
„Das Wort Prognose muss man in diesem Zusammenhang allerdings mit Vorsicht verwenden. Auch wenn Spanien unser Favorit ist, besagt unsere Vorhersage gleichzeitig, dass die Mannschaft mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 85 Prozent nicht Weltmeister wird“, erläutert Schauberger die Ergebnisse der Analyse.
Die Prognose kombiniert mehrere statistische Ansätze und basiert auf vier zentralen Informations- und Datenquellen:
Fähigkeitseinschätzungen auf Basis internationaler Länderspiele der vergangenen acht Jahre
Wettquoten von 24 internationalen Buchmachern
Spielerdaten auf Vereinsebene
Marktwerte der Spieler sowie weitere Team- und Länderkovariaten, beispielsweise FIFA- und Elo-Rankings oder volkswirtschaftliche Kennzahlen
Das Modell wurde auf Basis der Ergebnisse großer internationaler Turniere – Weltmeisterschaften und Europameisterschaften – zwischen 2006 und 2024 entwickelt und trainiert. Anschließend wurden für alle möglichen Begegnungen der 48 teilnehmenden Mannschaften die zu erwartenden Torzahlen geschätzt. Aus diesen Schätzungen wurden Wahrscheinlichkeiten für Siege, Unentschieden und Niederlagen berechnet.
Durch insgesamt 100.000 Simulationen des gesamten Turnierverlaufs, die sämtliche Gruppen- und K.-o.-Spiele sowie die offiziellen FIFA-Regularien berücksichtigen, werden schließlich die Gewinnwahrscheinlichkeiten für alle Teams ermittelt. Nach Spanien mit einer Wahrscheinlichkeit von 14,5 Prozent folgen England und Frankreich mit jeweils 12,4 Prozent sowie Deutschland mit 11,2 Prozent.
Auffällig ist dabei insbesondere die Bewertung der deutschen Nationalmannschaft. Während viele internationale Buchmacher Deutschland lediglich auf Rang sieben der Favoritenliste führen, sieht das statistische Modell die Mannschaft auf Platz vier und damit unmittelbar hinter den drei Top-Favoriten. Im Gegensatz dazu schneiden Brasilien und Argentinien in der Simulation etwas schwächer ab als in den Prognosen vieler Wettanbieter. Ein möglicher Grund dafür könnten der hohe Marktwert und die zahlreichen (wenn auch knappen) Siege der Mannschaft in den letzten Spielen vor der WM sein.
Die im Vergleich zu früheren Weltmeisterschaften geringeren Titelwahrscheinlichkeiten der Favoriten verdeutlichen zudem die vielen Unwägbarkeiten eines solchen Turniers. Durch die erstmalige Erweiterung auf 48 Mannschaften sowie eine zusätzliche K.-o.-Runde steigt die Zahl aller möglichen Turnierverläufe erheblich. Allein die Konstellationen für die Zuordnung der besten Gruppendritten zur K.-o.-Phase umfassen mehrere Hundert verschiedene Varianten.
„Die Ergebnisse zeigen, wie ausgeglichen die Weltspitze aktuell besetzt ist. Gleichzeitig stimmen sie mich zuversichtlich, dass wir ein hochklassiges und spannendes Turnier erleben werden, bei dem auch die deutsche Mannschaft gute Chancen besitzt, weit zu kommen“, erläutert die Ordinaria des Lehrstuhls für Epidemiologie, Prof. Dr. Stefanie Klug, abschließend.
Ein Blick auf die Prognosen vergangener Turniere zeigt zugleich die Grenzen statistischer Vorhersagen. Bei der Europameisterschaft 2024 in Deutschland galt Frankreich mit einer Titelwahrscheinlichkeit von 19,2 Prozent als Favorit. Den Titel sicherte sich jedoch Spanien mit einem Finalsieg gegen England. Bereits bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2022 in Katar führte Brasilien die Prognosen mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von rund 15 Prozent an. Am Ende setzte sich Argentinien im Finale gegen Frankreich durch und wurde Weltmeister.
Neben Dr. Schauberger arbeiteten Prof. Dr. Andreas Groll, Agamyrat Hanekov, Prof. Dr. Lars Magnus Hvattum, Dr. Rouven Michels, Elina Sukhanova, Sebastian Witte sowie Prof. Dr. Achim Zeileis an der Studie. Mit dem entwickelten Hybridmodell erstellt der internationale Forscherverbund probabilistische Vorhersagen für die Begegnungen der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 und untersucht mögliche Turnierverläufe mithilfe moderner Methoden des maschinellen Lernens.
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Kontakt
Prof. Dr. Stefanie Klug
Lehrstuhl für Epidemiologie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24950
E-Mail: sekretariat.klug.epidemiologie(at)mh.tum.de
Dr. Gunther Schauberger
Lehrstuhl für Epidemiologie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24955
E-Mail: gunther.schauberger(at)tum.de
Text: Bastian Daneyko
Fotos/Grafiken: Privat