Bericht zur hitzebezogenen Gesundheit der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik
News des Departments |
Extreme Temperaturen zählen zu den größten klimabedingten Gesundheitsrisiken in ganz Europa. Während Kennzahlen zu hitzebedingten Todesfällen oder wirtschaftlichen Schäden seit Jahren etabliert sind, ist bislang nur wenig darüber bekannt, wie Menschen längere Wärmeperioden im Alltag erleben, welche gesundheitlichen Beschwerden auftreten und welche Faktoren dazu beitragen, sich wirksam zu schützen.
Genau hier setzt der neue Bericht zur hitzebezogenen Gesundheit in Deutschland an, der von der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik angefertigt worden ist. Erstmals wurden während einer bundesweiten Hitzewelle (Mitte bis Ende Juni 2026) gesundheitliche Beschwerden, hitzebezogene Gesundheitskompetenz und Schutzverhalten gemeinsam in einer repräsentativen Befragung von 2.100 Personen untersucht. Die Ergebnisse liefern eine wichtige wissenschaftliche Grundlage, um besonders belastete Bevölkerungsgruppen zu identifizieren und Präventions- sowie Anpassungsmaßnahmen gezielt weiterzuentwickeln.
„Hitze wird häufig erst dann wahrgenommen, wenn sie bereits zu gesundheitlichen Problemen führt. Unser Ziel war es deshalb, besser zu verstehen, wie Menschen solche Wetterextreme im Alltag erleben und welche Faktoren sie dabei schützen können. Mit dem Bericht schaffen wir dafür erstmals eine wissenschaftliche Datengrundlage“, sagt Prof. Dr. Filip Mess, Leiter der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik.
Gesundheitliche Belastung betrifft große Teile der Bevölkerung
Die Ergebnisse zeigen, dass hohe Temperaturen für viele Menschen unmittelbare gesundheitliche Folgen haben. 96 Prozent der Befragten berichten von wiederkehrenden Beschwerden während der Hitzephasen, mehr als drei Viertel sogar von mindestens einem direkt gesundheitsrelevanten Symptom. Besonders häufig leiden die Umfrageteilnehmer unter Schlafproblemen (55 Prozent), Antriebslosigkeit (47 Prozent), starker Müdigkeit (41 Prozent) und Kreislaufproblemen (33 Prozent).
Auffällig sind zudem die Unterschiede zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen. Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status sowie Personen mit chronischen Erkrankungen berichten über eine höhere gesundheitliche Belastung. Überraschend ist, dass jüngere Erwachsene häufiger Beschwerden angeben als ältere Menschen und gleichzeitig seltener vorbeugende Schutzmaßnahmen umsetzen.
Gesundheitskompetenz entscheidet mit über die Belastung
Ein zentrales Ergebnis des Policy Briefs betrifft die hitzebezogene Gesundheitskompetenz. Rund die Hälfte der Befragten weist eine mindestens „problematische Ausprägung“ auf. Gemeint ist damit nicht fehlendes Wissen über hohe Temperaturen, sondern Schwierigkeiten, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, richtig einzuordnen und im Alltag anzuwenden. Menschen mit einer höheren Gesundheitskompetenz berichten dagegen gleichzeitig über eine geringere Symptombelastung.
„Gesundheitskompetenz bedeutet nicht, möglichst viel über Hitze zu wissen“, erklärt Dr. Jan Schmid-Ellinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik. „Entscheidend ist, ob Menschen relevante Informationen finden, bewerten und rechtzeitig in konkretes Handeln umsetzen können. Genau hier sehen wir noch erhebliches Potenzial.“
Schutzmaßnahmen beginnen häufig erst nach ersten Beschwerden
Die Untersuchung deutet außerdem darauf hin, dass viele Menschen ihr Verhalten erst dann anpassen, wenn bereits gesundheitliche Beschwerden aufgetreten sind. Schutzmaßnahmen werden damit häufig als Reaktion auf eine bestehende Belastung umgesetzt und nicht vorbeugend. Gleichzeitig weisen die Forschenden des Departments darauf hin, dass sich Risiken nicht allein durch individuelles Verhalten vermeiden lassen. Faktoren wie Wohnverhältnisse, Arbeitsbedingungen oder städtische Infrastruktur beeinflussen maßgeblich, wie stark Menschen extremen Temperaturen ausgesetzt sind.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass individueller Hitzeschutz wichtig ist, aber allein nicht ausreicht“, sagt Prof. Mess. „Neben einer besseren Gesundheitskommunikation braucht es auch strukturelle Maßnahmen – beispielsweise in der Stadtplanung oder am Arbeitsplatz – damit Menschen sich wirksam vor den gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen schützen können.“
Grundlage für Prävention und Klimaanpassung
Aus den Ergebnissen leiten die Forschenden konkrete Empfehlungen für Prävention und Gesundheitskommunikation ab. Dazu gehören die gezielte Förderung hitzebezogener Gesundheitskompetenz, zielgruppenspezifische Informationsangebote sowie eine stärkere Verknüpfung von Wetterwarnungen mit konkreten Handlungsempfehlungen. Gleichzeitig unterstreicht der Bericht die Bedeutung langfristiger struktureller Maßnahmen, etwa klimaangepasster Stadtentwicklung oder gesundheitsförderlicher Arbeits- und Wohnbedingungen.
Mit dem Bericht liefert die Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik erstmals eine umfassende empirische Grundlage, um gesundheitliche Auswirkungen extremer Wärme in Deutschland nicht nur anhand von Mortalitätsdaten, sondern auch anhand von Alltagserfahrungen der Bevölkerung zu bewerten. Die Ergebnisse sollen künftig dazu beitragen, Präventions- und Anpassungsstrategien wissenschaftlich fundiert weiterzuentwickeln.
Zur Homepage der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik
Zum Bericht der hitzebezogenen Gesundheit in Deutschland
Zur Projektseite “Klimawandel und Gesundheit”
Kontakt
Prof. Dr. Filip Mess
Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24520
E-Mail: filip.mess(at)tum.de
Dr. Jan Schmid-Ellinger
Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24974
E-Mail: jan.ellinger(at)tum.de
Text: Bastian Daneyko
Fotos: Microsoft Copilot (KI-generiert)/Privat