Mit dem Projekt „ReGeN – Regionale Gesundheitsnetze und -regionen evaluieren und weiterentwickeln“ startet Anfang 2026 ein bundesweites Forschungsvorhaben zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in Deutschland. Unter der Leitung von Prof. Dr. Leonie Sundmacher, Inhaberin der Professur für Gesundheitsökonomie an der Technischen Universität München (TUM), untersucht das Konsortium, wie gut die Zusammenarbeit im deutschen Gesundheitswesen bereits funktioniert und in welchen Bereichen Optimierungsbedarf besteht. Das Projekt wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses ab Januar 2026 über drei Jahre mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert.
Das deutsche Gesundheitssystem zeichnet sich durch ein hohes Maß an Wahlfreiheit aus. Versicherte können Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Sektor weitgehend flexibel aufsuchen. Diese freie Inanspruchnahme bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Wenn Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen nicht ausreichend miteinander kommunizieren, können sogenannte Versorgungsbrüche entstehen. Genau hier setzen Gesundheitsnetze und -regionen an. Sie vernetzen Leistungserbringende vor Ort, um Behandlungen bedarfsgerechter abzustimmen und die Kontinuität der Versorgung zu stärken.
„Vernetzte Versorgung ist ein Schlüssel für die Zukunft unseres Gesundheitssystems. Wenn Strukturen gut aufeinander abgestimmt sind, kommt das direkt bei den Patientinnen und Patienten an – in Form von weniger Brüchen in der Behandlung und einer höheren Versorgungsqualität“, betont Prof. Sundmacher.
Bislang liegt jedoch wenig belastbare Evidenz dazu vor, ob und in welchem Ausmaß Gesundheitsnetze tatsächlich einen Vorteil gegenüber der Regelversorgung bieten. Genau hier setzt das Forschungsvorhaben „ReGeN“ an, indem es erstmals umfassend analysiert, wie die Zusammenarbeit in Gesundheitsnetzen funktioniert, welche Faktoren ihren Erfolg bestimmen und wie gut die Versorgung im Vergleich zur Regelversorgung gelingt. „Unser Ziel ist es, die regionale Versorgung in Deutschland spürbar zu verbessern. Gesundheitsnetze und -regionen sind dafür ein vielversprechender Ansatz – aber bislang fehlen belastbare Daten, um ihren tatsächlichen Nutzen zu messen“, erklärt Philipp Naß, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Gesundheitsökonomie. Naß bildet zusammen mit Dr. Wiebke Schüttig, akademische Rätin, und Philipp Bammert, wissenschaftlicher Mitarbeiter, das Projektteam.
Die Forschung umfasst sowohl qualitative als auch quantitative Analysen in den Regionen Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Zu Beginn werden deutschlandweit schriftliche Befragungen und mündliche Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern bestehender Gesundheitsnetze und -regionen durchgeführt, um ein aktuelles Bild der unterschiedlichen Strukturen und Arbeitsweisen zu erhalten. Darauf aufbauend entwickelt das Projektteam ein bundesweit einsetzbares Kern-Indikatorenset, das es ermöglichen soll, Gesundheitsnetze hinsichtlich Qualität, Kontinuität und Koordination vergleichbar zu bewerten. Anschließend wird geprüft, ob Versicherte, die in Gesundheitsnetzen behandelt werden, messbare Vorteile gegenüber Patientinnen und Patienten in der Regelversorgung haben. Um ein vollständiges Bild der Versorgungsrealität zu gewinnen, wird zudem analysiert, welche Ärztinnen, Ärzte und weiteren Leistungserbringenden in den Regionen bereits informell zusammenarbeiten und wo es Potenziale für neue Kooperationen gibt.
„Wir möchten besser verstehen, wie gut die Zusammenarbeit in Gesundheitsnetzen funktioniert und welchen Beitrag sie zur Versorgungsqualität und zur Kontinuität der Behandlung leisten. Nur, wenn wir das empirisch belegen können, lassen sich erfolgreiche Modelle auch gezielt weiterentwickeln“, sagt Philipp Naß.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen es ermöglichen, erfolgreiche Konzepte regionaler Vernetzung zu identifizieren und ihre Übertragbarkeit auf andere Regionen abzuschätzen. Ein zentraler Mehrwert besteht darin, Verantwortlichen in der ambulanten Versorgung – insbesondere Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen – ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Verfügung zu stellen, mit dem sie Netzstrukturen künftig bewerten und zielgerichtet fördern können. „Mit ReGeN schaffen wir erstmals wissenschaftliche Grundlagen, um regionale Vernetzung einheitlich zu evaluieren. Das hilft dabei, erfolgreiche Modelle zu stärken – und dort gezielt anzusetzen, wo Patientinnen und Patienten heute noch Versorgungsbrüche erleben“, so Prof. Sundmacher.
Das Konsortium umfasst neben der TUM die Kassenärztlichen Vereinigungen Bayern, Nordrhein, Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein sowie die AOK Bayern, die AOK Rheinland/Hamburg, die AOK Nordwest und die Barmer. Die gemeinsame Arbeit der Partnerinnen und Partner soll sicherstellen, dass die Perspektiven der verschiedenen Akteursgruppen berücksichtigt werden und die Ergebnisse praxisnah in die Weiterentwicklung der Versorgung einfließen können.
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Kontakt:
Prof. Dr. Leonie Sundmacher
Professur für Gesundheitsökonomie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24464
E-Mail: leonie.sundmacher(at)tum.de
Philipp Naß
Professur für Gesundheitsökonomie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24487
E-Mail: philipp.nass(at)tum.de