„Schulcampus Luitpoldpark“: Kooperationsprojekt der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik mit der Landeshauptstadt München
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Die Landeshauptstadt München investiert seit 2014 im Rahmen ihrer Schulbauoffensive rund zehn Milliarden Euro in die Sanierung sowie den Aus- oder Neubau schulischer Infrastruktur. Damit verbunden ist die Herausforderung, im urbanen Raum funktionale Bildungsflächen zu schaffen, ohne ökologische Anforderungen aus dem Blick zu verlieren. Besonders deutlich wird dieser Zielkonflikt an innerstädtischen Schulstandorten, an denen begrenzte Flächen, hohe Nutzungsanforderungen und klimaökologische Vorgaben gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.
Genau an diesem Punkt setzt das Kooperationsprojekt „Schulcampus Luitpoldpark“ der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik mit der Stadt München an. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie schulische Sportflächen künftig flexibler, ressourcenschonender und stärker am tatsächlichen Bedarf des heutigen Sportunterrichts ausgerichtet werden können. Grundlage ist dabei eine wissenschaftliche Analyse des aktuellen LehrplanPLUS im Fach Sport.
„Obwohl das Projekt mit den ganzen Akteuren und Disziplinen sehr anspruchsvoll war, durften wir im Rahmen der Kooperation nicht nur ganz neue Sichtweisen auf die Themen Bewegung – Gesundheit – kommunaler Raum kennenlernen. Es ist uns darüber hinaus auch gelungen, wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Relevanz zu verbinden“, erläutert Prof. Dr. Filip Mess, Leiter der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik. „Nicht zuletzt, können wir die Erkenntnisse auch direkt in unsere lehramtsbezogenen Lehrveranstaltungen integrieren und so die zukünftigen Sport-Lehrkräfte an diesen Entwicklungen teilhaben lassen.“
Innovative Sportflächen für den Schulcampus am Luitpoldpark
Seit Anfang 2023 ist die Arbeitsgruppe an der Machbarkeitsstudie für den Schulcampus am Luitpoldpark beteiligt. Auf dem Gelände in Schwabing sollen Bewegungsmöglichkeiten und Raumkonzepte für zukünftig zwei Gymnasien und eine Realschule entstehen. Aufgrund des hohen Sanierungs- und Erweiterungsbedarfs zählt das Vorhaben zu den größeren kommunalen Bildungsbauprojekten der Stadt.
Die Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik übernimmt innerhalb des interdisziplinären Planungsteams die Aufgabe, schulische Bewegungs- und Sportflächen didaktisch neu zu denken. Ziel ist es, formalen Sportunterricht, informelle Bewegungsangebote, Gesundheitsaspekte und ökologische Anforderungen in einem gemeinsamen Raumkonzept zu verbinden.
Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Arbeit war die Analyse bestehender Standardraumprogramme für schulische Sportanlagen. Diese orientieren sich vielerorts noch an Planungsgrundlagen aus den 1970er Jahren und sehen großformatige Sportflächen wie Rasenspielfelder oder Hartplätze vor. Die Auswertung des LehrplanPLUS zeigte jedoch, dass viele dieser Flächen in ihrer bisherigen Größe und Anzahl für die Umsetzung des heutigen Schulsports nicht zwingend erforderlich sind.
Dr. Jan Schmid-Ellinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik, betont: „Die Analyse des LehrplanPLUS zeigt, dass schulische Sportflächen heute anders gedacht werden können als noch vor einigen Jahrzehnten. Es geht nicht nur darum, möglichst viele klassische Sportanlagen bereitzustellen, sondern Räume zu schaffen, die Bewegung, Gesundheit und Aufenthalt sinnvoll miteinander verbinden.“
Weniger Versiegelung, mehr Flexibilität
Statt großflächiger Sportanlagen entstand so ein alternatives Konzept mit kleinteiligeren, multifunktionalen Bewegungsflächen. Dadurch reduziert sich die versiegelte Fläche deutlich, gleichzeitig bleiben mehr Bestandsbäume erhalten und es entstehen zusätzliche Freiräume für Aufenthaltsqualität, Verschattung und klimaangepasste Gestaltung.
Die zentrale Erkenntnis: „Heutzutage ist man im Schulsport nicht mehr so stark darauf fixiert, einzelne Sportarten zu vermitteln“, so Dr. Schmid-Ellinger. „Vielmehr geht es darum, Kinder zu lebenslanger Bewegung zu motivieren und Räume zu schaffen, die genau das unterstützen.“
Modellcharakter für zukünftige Schulbauprojekte
Das Projekt am Luitpoldpark besitzt Modellcharakter, da erstmals exemplarisch geprüft wird, wie alternative schulische Sportflächen auf Basis des Lehrplans umgesetzt werden können, ohne das bestehende Standardraumprogramm grundsätzlich abzulösen.
Parallel dazu arbeitet die Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik bereits an einem weiteren Schulstandort im Stadtteil Moosach. Dort wird im Zuge der Wohnraumnachverdichtung eine Grundschule erweitert. Auch hier lassen die beengten Grundstücksverhältnisse klassische Sportflächen nur eingeschränkt zu.
Die Arbeitsgruppe analysiert deshalb aktuell den LehrplanPLUS für Grund- und Mittelschulen, um auch für diese Schulformen alternative Raumkonzepte zu entwickeln. Ziel ist es, bis Mitte 2026 wissenschaftlich fundierte Grundlagen vorzulegen, die künftig in weitere Schulbauprojekte der Stadt einfließen können.
Wissenschaftliche Perspektive auf schulische Bewegungsräume
Das Projekt verdeutlicht, wie sportdidaktische Forschung unmittelbar in kommunale Planungsprozesse eingebunden werden kann. Gleichzeitig zeigt es, dass schulische Bewegungsräume künftig nicht nur unter funktionalen Gesichtspunkten betrachtet werden, sondern stärker als Teil gesundheitsfördernder, ökologisch verträglicher und urban integrierter Bildungsräume verstanden werden.
„Wir verstehen das Projekt als ein exemplarisches Umsetzungsbeispiel. Es zeigt, dass alternative Lösungen möglich sind, wenn man den schulischen Bedarf konsequent aus dem Lehrplan heraus denkt und gleichzeitig ökologische sowie städtebauliche Anforderungen berücksichtigt“, erläutert Schmid-Ellinger abschließend.
Zur Homepage der Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik
Zur Homepage des Projekts: „Schulcampus Luitpoldpark“
Kontakt
Prof. Dr. Filip Mess
Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24520
E-Mail: filip.mess(at)tum.de
Dr. Jan Schmid-Ellinger
Professur für Sport- und Gesundheitsdidaktik
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24974
E-Mail: jan.ellinger(at)tum.de
Text: Bastian Daneyko
Fotos: Privat/ChatGPT