Zentrale Ergebnisse des vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) geförderten Forschungsprojekts „Spitzensportlerinnen sowie Spitzensportler und Medien: eine Analyse zur Wahrnehmung und Bewertung der Dopingberichterstattung und die subjektiv empfundene körperliche und mentale Leistungsfähigkeit“ (SpitzDoBe) wurden am Dienstag, 16. Dezember 2025, in der Audi Lounge am TUM Campus im Olympiapark präsentiert und diskutiert. Das 18-monatige Projekt wird seit Juni 2024 durchgeführt und endet im Dezember 2025. Es ist das vierte Drittmittelprojekt des Arbeitsbereichs für Medien und Kommunkation in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie zum Themenfeld „Doping und Dopingberichterstattung“ und wird mit rund 110.000 Euro gefördert.
Das Forscherteam um Prof. Dr. Michael Schaffrath, Leiter des Arbeitsbereichs für Medien und Kommunikation, und Dr. Thorsten Schulz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie, untersuchte, wie Spitzensportlerinnen und Spitzensportler Dopingberichterstattung wahrnehmen, bewerten und inwiefern diese Berichterstattung ihre körperliche und mentale Leistungsfähigkeit beeinflusst. Unterstützt wurde das Projekt durch Dr. Peter Spitzenpfeil, Leiter der Betriebseinheit Angewandte Sportwissenschaft. Als externe Kooperationspartner konnten der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), Athleten Deutschland e.V., der Olympiastützpunkt Bayern und die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) gewonnen werden. Methodisch besteht die Studie aus 16 leitfadengestützten Interviews und einer bundesweiten Online-Befragung mit 349 Athletinnen und Athleten.
„Die jetzt vorliegenden Ergebnisse zeigen sehr deutlich, wie anspruchsvoll der Umgang mit Dopingberichterstattung für Sportlerinnen und Sportler ist und welche Verantwortung Medien in diesem Kontext tragen“, erklärte Prof. Schaffrath. „Das Symposium bietet eine wichtige Plattform, um diese Befunde gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Sport, Verbänden und Journalismus zu diskutieren und daraus konkrete Impulse für die Weiterentwicklung der Anti-Doping-Arbeit abzuleiten.“
Jessica Ottmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, fasste die qualitative Analyse zusammen: „Die Studie zeigt sehr klar, dass Athletinnen und Athleten nicht nur Gegenstand der Berichterstattung sind, sondern eigene mediale Erwartungen formulieren. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse, wie stark Kommunikationsprozesse das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit im Spitzensport beeinflussen können.“
Ein inhaltlicher Höhepunkt des Symposiums, an dem auch eine Vielzahl von Sportjournalistinnen und Sportjournalisten – u.a. vom ZDF, dem BR, der Süddeutschen Zeitung, der Deutschen Presseagentur (dpa), der BILD-Zeitung sowie von Merkur und tz – teilnahmen, war die Podiumsdiskussion mit Annika Kollenbroich (Referentin Kommunikation & Marketing, NADA), André Keil (Präsident des Verbands Deutscher Sportjournalisten) und der online zugeschalteten Säbelfechterin Léa Krüger, Vizepräsidentin von Athleten Deutschland e. V.. Gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Schaffrath diskutierten sie die Verantwortung journalistischer Berichterstattung, den Umgang mit Verdachtsfällen und den Schutz von Athletinnen und Athleten vor digitalen Anfeindungen.
Krüger betonte, dass Sportlerinnen und Sportler genau zwischen reißerischer und differenzierter Berichterstattung unterscheiden: „Man braucht eine Schlagzeile, um gelesen zu werden – aber die Aufgabe der Medienschaffenden ist es, zu zeigen, dass hinter der Schlagzeile mehr steckt.“ Zugleich verwies sie auf die hohe Belastung durch öffentliche Vorverurteilungen und machte deutlich, dass faire Berichterstattung häufig Transparenz vonseiten der Athletinnen und Athleten voraussetze.
Aus Sicht der NADA unterstrich Kollenbroich die Bedeutung von Sorgfalt und rechtlichen Rahmenbedingungen. „Der allergrößte Teil der Berichterstattung ist gut recherchiert“, erklärte sie, räumte jedoch ein, dass Fehler vorkämen, die man dann aktiv adressiere. Grundsätzlich gelte: „Wir bei der NADA veröffentlichen erst, wenn ein Fall abgeschlossen ist und alle Ergebnisse auf dem Tisch liegen.“
Keil verwies auf strukturelle Herausforderungen im Sportjournalismus und einen weiterhin hohen gesellschaftlichen Wissensmangel beim Thema Doping. „Wir haben in der gesamten Gesellschaft einen Unwissenheitsstatus, dass einem die Augen tränen“, sagte der multimediale Chef vom Dienst im NDR-Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern und betonte den hohen Aufwand journalistischer Spezialisierung. Verdachtsberichterstattung unterliege strengen juristischen Prüfungen: „Diese Hürden sind enorm.“ Einig war sich das Podium darin, dass Doping keinesfalls freigegeben werden dürfe. Krüger fasste es deutlich zusammen: „Sollte man Doping öffnen? Nein – das würde die Integrität des Sports komplett zerstören.“
Die im Symposium präsentierten Ergebnisse liefern einen umfassenden Einblick in die Wirkung von Dopingberichterstattung aus Sicht der Athletinnen und Athleten. Sie sollen künftig dazu beitragen, gezielte Maßnahmen für die Anti-Doping-Arbeit abzuleiten und sowohl Sportlerinnen und Sportler als auch Medienvertreterinnen und -vertreter für die Bedeutung verantwortungsvoller Dopingkommunikation zu sensibilisieren.
„Ziel der Studie war es, ein vertieftes Verständnis der Auswirkungen medialer Dopingdiskurse auf Athletinnen und Athleten zu gewinnen und daraus konkrete, praxisnahe Handlungsempfehlungen für den Spitzensport und den Sportjournalismus abzuleiten“, resümierte Prof. Schaffrath. Zugleich machte er deutlich, dass die Themen Doping und Dopingberichterstattung auch über das aktuelle Projekt hinaus eine zentrale Rolle an der TUM spielen werden und die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit fortgeführt werden soll.
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Kontakt:
Prof. Dr. Michael Schaffrath
Arbeitsbereich für Medien und Kommunikation
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24639
E-Mail: michael.schaffrath(at)tum.de
Jessica Ottmann
Arbeitsbereich für Medien und Kommunikation
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24638
E-Mail: jessica.ottmann(at)tum.de
Text & Fotos: Romy Schwaiger