EU-Projekt BEACON-HD: TUM-Forschende entwickeln innovative Ansätze zur Verbesserung der Versorgung chronischer Erkrankungen in Ruanda und Uganda
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Die Professur für Behavorial Science for Disease Prevention and Health Care unter der Leitung von Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan koordiniert und verantwortet das vierjährigen Horizon-Europe-Projekts “Building Equitable Health Systems through Telemedicine and Community-Based Models for Hypertension and Diabetes Care” (BEACON-HD). Gemeinsam mit elf internationalen Partnerinstitutionen aus Ruanda, Uganda, Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Griechenland, Serbien und den USA verfolgt das Konsortium das Ziel, die primäre Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen Ruandas und Ugandas zu stärken und die Versorgung von Menschen mit Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes nachhaltig zu verbessern.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache unter den nichtübertragbaren Krankheiten in Subsahara-Afrika. Obwohl wirksame Behandlungen für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes seit Langem verfügbar sind, erhalten viele Betroffene keine ausreichende langfristige Versorgung. In den ländlichen Projektregionen Ruandas und Ugandas leiden rund 30 bis 40 Prozent der über 40-Jährigen an Bluthochdruck. Gleichzeitig erhalten nur sehr wenige Betroffene eine Behandlung, mit der ihr Blutdruck dauerhaft unter Kontrolle gebracht wird. BEACON-HD möchte diese Versorgungslücken schließen, indem die primäre Gesundheitsversorgung durch patientenzentrierte und skalierbare Implementierungsstrategien gestärkt wird.
„Die Herausforderung besteht nicht darin, neue Behandlungsmethoden zu entwickeln – wir wissen bereits, dass wirksame Medikamente gegen Bluthochdruck und Diabetes existieren. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass die Menschen Zugang zu diesen Therapien erhalten und sie ihr Leben lang konsequent anwenden“, erklärt Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan.
Das Projekt konzentriert sich auf zwei Implementierungsstrategien: Telemedizin mit Selbstmonitoring sowie gemeinschaftsbasierte Medikamentenversorgung. Im Rahmen der Telemedizin messen Patientinnen und Patienten regelmäßig ihren Blutdruck oder Blutzucker zu Hause und übermitteln die Werte per Mobiltelefon an das medizinische Fachpersonal. Ärztinnen und Ärzte können diese Daten aus der Ferne auswerten, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf identifizieren und sie über eine Telemedizinplattform weiter betreuen, die speziell für den Einsatz in ländlichen Regionen Ruandas und Ugandas gemeinsam mit den lokalen Partnern entwickelt wird. Nach Angaben von Prof. Sudharsanan wird die Plattform bewusst so konzipiert, dass sie auf einfachen Mobiltelefonen und nicht ausschließlich auf Smartphones funktioniert, um den Gegebenheiten vor Ort gerecht zu werden.
Die zweite Implementierungsstrategie, die gemeinschaftsbasierte Medikamentenversorgung, setzt an einer der größten Hürden einer kontinuierlichen Behandlung an. Sogenannte „Community Health Workers“ holen verschriebene Medikamente in den Gesundheitseinrichtungen ab und bringen sie direkt in die Gemeinden der Patientinnen und Patienten. Durch die Nutzung der bestehenden Netzwerke in Ruanda und Uganda werden lange Anfahrtswege reduziert und der Zugang zu notwendigen Medikamenten erleichtert.
Ein zentrales Merkmal von BEACON-HD ist sein partizipativer Ansatz. Patientinnen und Patienten, Community Health Workers, Ärztinnen und Ärzte, Verantwortliche der Gesundheitseinrichtungen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheitsbehörden werden während des gesamten Projekts aktiv in die Anpassung beider Implementierungsstrategien eingebunden. Stakeholder-Beiräte und Co-Design-Workshops sollen dazu beitragen, die Telemedizinplattform und die Umsetzungsprozesse an die lokalen Gegebenheiten in den ländlichen Regionen Ruandas und Ugandas anzupassen.
Die Wirksamkeit der beiden Implementierungsstrategien wird im Rahmen einer großen pragmatischen, cluster-randomisierten Studie mit jeweils rund 2.000 Patientinnen und Patienten pro Land untersucht. Anstatt die Interventionen unter Laborbedingungen zu testen, werden sie direkt in die reguläre Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen Ruandas und Ugandas integriert. Neben klinischen Endpunkten wie der Verbesserung von Blutdruck- und Blutzuckerwerten untersuchen die Forschenden auch Implementierungs- und Gesundheitssystem-Outcomes, um zu bewerten, wie sich die Maßnahmen unter realen Versorgungsbedingungen bewähren.
Neben der wissenschaftlichen Evaluation legt BEACON-HD großen Wert auf Nachhaltigkeit und die langfristige Umsetzung der Projektergebnisse in der Politik. Während des gesamten Projekts arbeitet das Konsortium eng mit lokalen Stakeholdern und nationalen Regierungen zusammen, um die Einführung erfolgreicher Ansätze zu unterstützen. Leitfäden für die Implementierung, politische Handlungsempfehlungen, digitale Ressourcen und Schulungsmaterialien sollen die langfristige Integration der Interventionen in die öffentlichen Gesundheitssysteme erleichtern.
„Unser Ziel ist es nicht, lediglich wissenschaftliche Publikationen zu veröffentlichen. Wir möchten Lösungen entwickeln, die bezahlbar, skalierbar und tatsächlich in Gesundheitssystemen umgesetzt werden können“, sagt Prof. Dr. Sudharsanan. „Wenn sich die Ansätze in Ruanda und Uganda bewähren, könnten sie auch als Modell für die Versorgung chronischer Erkrankungen in anderen Ländern Subsahara-Afrikas dienen.“
Durch die Bündelung von Expertise in den Bereichen Verhaltenswissenschaften, Implementierungsforschung, digitale Gesundheit, Gesundheitsökonomie und Public Health möchte BEACON-HD wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen, die zu leistungsfähigeren und gerechteren Gesundheitssystemen beitragen und den Weg zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung unterstützen.
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Kontakt
Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan
Rudolf Mößbauer Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24990
E-Mail: nikkil.sudharsanan(at)tum.de
Text: Bastian Daneyko
Fotos: Privat/Andreas Heddergott