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Prof. Schaffrath kritisiert Bundestrainer Nagelsmann bei RTL, ntv, sport.de, merkur, tz und Augsburger Allgemeine
Sport- und Gesundheitswissenschaften, Arbeitsbereich für Medien und Kommunikation |
Als „kommunikatives Desaster“ hat Prof. Dr. Michael Schaffrath im RTL-Nachtjournal am 16. Mai die Kommunikation von Julian Nagelsmann rund um die Nominierung von Manuel Neuer als WM-Torwart Nr. 1 sowie die gleichzeitige Degradierung von Oliver Baumann zur Nr. 2 bezeichnet. Der Bundestrainer habe laut Schaffrath zwei wichtige Qualitätskriterien eines seriösen Kommunikationsmanagement konterkariert, und zwar „Glaubwürdigkeit“ und „Verlässlichkeit“. Denn in diversen Interviews hatte der Bundestrainer gegenüber Baumann und gegenüber der Öffentlichkeit stets den Eindruck vermittelt, der Hoffenheim-Torwart, der die gesamte WM-Qualifikation gespielt hatte, sei auch beim WM-Turnier Stammkraft im deutschen Tor.
Im Interview mit dem Nachrichtenkanal ntv, welches auch von sport.de übernommen wurde, ergänzt der Leiter des Arbeitsbereichs für Medien und Kommunikation am 20. Mai: Der DFB-Coach ist "entweder nicht professionell genug beraten oder mittlerweile etwas beratungsresistent". Auch das Timing des Bundestrainers sei im Kontext der Torwart-Diskussion wenig überzeugend gewesen. Als die Meldung am Samstag, den 16. Mai, durch Sky veröffentlicht wurde, hätte Nagelsmann „spätestens am Samstag-Abend bei seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio das Thema zumachen müssen.“ Stattdessen habe er fünf Tage bis zur offiziellen Bekanntgabe des Spielerkaders geschwiegen und so viel zu viel Raum für öffentliche und mediale Spekulationen gelassen.
Im Interview mit der Augsburger Allgemeine hatte der habilitierte Kommunikationswissenschaftler schon am 20. Mai gesagt: „Durch seine Nicht-Kommunikation hat Nagelsmann für Verunsicherung gesorgt. Und zwar bei den Medien, der fußballinteressierten Öffentlichkeit und auch im eigenen Kader.“ In der Augsburger Allgemeine vom 21. Mai kritisierte Schaffrath außerdem das Kommunikationsverhalten von Manuel Neuer. Auch der Bayern-Torwart „hat den Eindruck vermittelt, dass es keinen Rücktritt vom Rücktritt geben wird – und das über zwei Jahre lang.“
In einem Gastkommentar im Münchner Merkur und der tz hatte Schaffrath am 21. Mai geschrieben, dass sich in der jüngeren Vergangenheit die „kommunikativen Fehler“ von Nagelsmann wiederholen. Der TU-Professor erinnerte an die heftige Kritik des Bundestrainers an Deniz Undav im ARD-Interview Ende März, für die er sich kurz darauf beim Nationalstürmer entschuldigen musste. Der Bundestrainer besitzt für Schaffrath „zweifellos eine exzellente Fußball-Fachkompetenz. Aber in Sachen Vermittlungskompetenz und Kommunikationsmanagement verhält er sich manchmal ziemlich amateurhaft.“
Zu den verschiedenen Artikeln:
https://www.sport.de/video/en692516/kommunikationsexperte-zaehlt-nagelsmanns-fehler-auf/
Text: Bastian Daneyko
Foto: Privat