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Von Cachexie bis Muskelhypertrophie - 19th Munich Muscle Meeting
Sport- und Gesundheitswissenschaften, W00BBR-newscat-exercisebiology |
Das Munich Muscle Meeting ist eine Initiative der Münchner Muskelforschungsgruppen. Wir haben uns das Ziel gesetzt, uns regelmäßig zu treffen, um aktuelle Themen der Muskelforschung zu diskutieren und gemeinsame Projekte zu initiieren. Am 12.02.2026 fand nunmehr das 19. Munich Muscle Meeting statt, das von Prof. Henning Wackerhage und Dr. Martin Schönfelder am neuen TUM Campus im Olympiapark organisiert wurde. Die 19. Veranstaltung war wieder eine interessante Zusammenstellung unterschiedlicher Disziplinen der Muskelforschung, angefangen von klinischer, molekularbiologischer bis hin zu anwendungsbezogenen Forschungsbereichen.
Mit der Keynote-Lecture gab Dr. Maria Rohm den Auftakt und referierte über das Thema “Cancer cachexia: Cancer-induced muscle wasting and metabolic dysfunction”. Maria Rohm ist Leiterin der Forschungsgruppe "Tissue Crosstalk in Cancer Metabolism" am Helmholtz Munich (Institut für Diabetes und Krebs). Ihre Arbeit widmet sich der Erforschung der Tumorkachexie, einem lebensbedrohlichen Auszehrungssyndrom bei Krebspatienten, das durch massiven Verlust von Muskel- und Fettgewebe gekennzeichnet ist. Die Forschungsgruppe von Maria Rohm untersucht, wie Tumorzellen den systemischen Stoffwechsel des Körpers umprogrammieren, um ihren eigenen Nährstoffbedarf zu decken, was oft zum Abbau lebenswichtiger Gewebe führt. Hierbei spielt auch der Organ-Crosstalk eine wichtige Rolle, was ebenso ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit ist. Diese Kommunikation zwischen den verschiedenen Organen (Leber, Fettgewebe, Muskeln) ist ein wichtiger Punkt in der Kachexie-Progression.
In einer aktuellen Studie in Nature Metabolism (2026) identifizierte ihr Team den Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel als einen gewebeübergreifenden Signalweg, der bei Kachexie aktiviert wird und mit Entzündungen sowie Muskelatrophie korreliert. Ihre Arbeitsgruppe sucht ferner nach spezifischen Lipid-Molekülen, die als frühe Biomarker für eine Kachexie-Diagnose dienen könnten.
Vom Krebspatienten überleitend folgte eine Präsentation von Susanna Gerike (Charité Berlin) zum Thema “Electromagnetic stimulation exerts altered expression of musclin, CXCL5 and PGC-1α in C2C12-derived myotubes.” In ihren Arbeiten stellte sie ebenso eine Verbindung zur Muskelatrophie mit immunologischen Abläufen vor, wo sich auch Verbindungen zur Cachexia abgezeichnet haben. Susanna Gerike, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion Klinische Neurobiologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die an Projekten zur elektromagnetischen Stimulation forscht. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Optimierung von nicht-invasiven Therapien wie der transkraniellen Magnetstimulation (TMS). Hierbei nutzen sie in-vitro-Modelle (C2C12-Zellkulturen), um die zellulären und molekularen Mechanismen der Neurostimulation zu verstehen. Ein Hauptaugenmerk ist hierbei, wie Variationen in der Pulsform der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) menschliche Nervenzellen beeinflussen.
Wie Grundlagenforschung in der Praxis umgesetzt werden kann, ist immer ein sehr wichtiges, aber auch oft ein schwieriges Feld. Dass man aber auch in hohem Alter immer noch Fortschritte in der körperlichen Fitness machen kann, präsentierte Nina Schaller mit ihrem Vortrag zu der Langzeittrainingsstudie „The bestform-trial: Machine-based strength, coordination and endurance training in senior care facilities”. Die Dipl.-Ökotrophologin Nina Schaller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Präventive Sportmedizin und Sportkardiologie der TUM und ihr zentrales Forschungsfeld ist das Projekt "bestform. Sport kennt kein Alter". Im Rahmen dieses Projektes fungiert Nina Schaller gemeinsam mit ihrer Kollegin PD Dr. phil. habil. Monika Siegrist als Projekt- und Studienleiterin dieser Initiative, die durch die Beisheim Stiftung gefördert wird. Das Ziel ist es, die Mobilität und Selbstständigkeit älterer Menschen durch gezieltes Training zu erhalten. Dieser Präventionsansatz untersucht dabei, wie multimodales Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining dem körperlichen Abbau im hohen Alter vorbeugen kann. Es handelt sich um eine cluster-randomisierte Studie, die die Wirksamkeit des Trainingsprogramms direkt in Seniorenheimen und Wohnstiften evaluiert. Das bestform-Team um Nina Schaller koordiniert die Durchführung der Programme und die Datenerhebung zur Bewertung der gesundheitlichen Effekte und der Lebensqualität.
Abgerundet wurde der Vortragsabend von Tim Havers mit dem Thema „Skeletal Muscle Hypertrophy as a Metabolic Sink: Evidence from C2C12 Cells & Arteriovenous Metabolomics“. Kernziel seiner Arbeiten ist zu erforschen, welche Metaboliten in die hypertrophierende Muskelzelle aufgenommen bzw. abgegeben werden. Hierbei wählte er den interessanten Ansatz arterio-venöse Metabolitendifferenzen nach einem Krafttraining mit geeigneten Zellkulturstudien zu vergleichen. Tim Havers ist Sportwissenschaftler und Doktorand an der Professur für Sportbiologie der TUM sowie Dozent an der IST-Hochschule für Management. Seine Forschung konzentriert sich auf die Mechanismen und die klinische Anwendung von Muskelhypertrophie (Muskelwachstum). Seine Forschungsarbeit verknüpft Trainingswissenschaft mit molekularer Physiologie und modernen Technologien. In einer 2025 veröffentlichten systematischen Übersichtsuntersuchung analysierte er den Zusammenhang zwischen globalem Muskelwachstum, Fettmasse und Glukosestoffwechsel. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Steigerung der Muskelmasse signifikant zur Reduktion von Körperfett und zur Verbesserung der Blutzuckerwerte (HbA1c) beitragen kann, was neue Wege für die Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes eröffnet. Tim Havers untersucht zudem die Eignung von künstlicher Intelligenz (z. B. Large Language Models) zur Erstellung professioneller Trainingspläne für den Muskelaufbau und maximale Kraft und veröffentlichte aktuelle Empfehlungen zum Krafttraining in der Sport- und Bewegungstherapie für Patient*innen mit Sarkopenie (altersbedingtem Muskelschwund), wobei er den Fokus auf individuelle Anpassungen und Funktionalität legt.
Alles in allem bot die Veranstaltung den rund 30 Zuhörern ein interessantes und interdisziplinäres Programm zur aktuellen Muskelforschung. Die 20. Ausgabe des Munich Muscle Meetings ist zwar noch nicht terminiert, aber die Veranstaltung wird mit Sicherheit noch in diesem Jahr stattfinden. Interessierte können sich jederzeit für unseren Newsletter registrieren.