Herr Prof. Simon, Gendoping ist leider ein wachsender Trend unter den Manipulationsmöglichkeiten. Was genau versteht man unter Gendoping?
Unter Gendoping versteht man das Einschleusen von DAN- oder RNA-Molekülen in den menschlichen Organismus. Ferner enthält die Beschreibung der Methode „Gendoping“ der WADA noch den Zusatz, dass auch die Veränderung der Aktivität von Genen mit dem Ziel der Leistungssteigerung verboten ist. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine korrekte Definition von Gendoping, denn hierunter wären fast alle Dopingmittel zu subsummieren; insbesondere die Myostatininhibitoren und die Steroidhormone inklusive dem Testosteron. Diese Substanzen sind aber schon an anderer Stelle im Verbotskatalog der WADA gelistet und haben mit dem, was man gemeinhin in der Bevölkerung aber auch unter Geisteswissenschaftlern und insbesondere Ethikern unter Gendoping versteht, nämlich dem Eingriff in unsere Erbanlagen, nichts zu tun.
Was sind die Vorteile und Nachteile gegenüber den konventionellen Dopingmitteln?
Der Vorteil des Gendopings ist vor allem die momentane Nicht-Nachweisbarkeit. Durch Gendoping werden (hingegen „konventioneller“ Formen des Dopings) keine abnormen Leistungszuwächse möglich sein. Entgegen landläufiger Annahmen ist insbesondere der Gentransfer, also das sich von außen Zuführen von Erbsubstanz (DNA) zur Leistungssteigerung, mittels Genfähren, wie Viren, sehr kostengünstig. Die fertigen Genfähren können gebrauchsfertig ab einem Preis von 500 US$ über das Internet bestellt werden. Eine einmalige Injektion sorgt dann dafür, dass Erbsubstanz in den Körper mehr oder weniger permanent (je nach Art und Qualität der Genfähre) in ein paar Millionen Zellen des Körpers (z.B. Muskelzellen) eingebaut wird. Diese Erbsubstanz kann z.B. für ein Hormon kodieren (Wachstumshormon, EPO, oder Gefäßwachstumsfaktoren), die dann von den Zellen, in die das zugeführte Gen eingebracht wurde, produziert und an das Blut abgegeben werden. Das Verfahren ist simpel, kostengünstig und liefert eine Produktion von mehr körpereignem Hormon, das im Körper selber gebildet wurde und somit sogar personenidentisch ist.
Die Nachteile des Gendoping sind die schlechte Steuerbarkeit und Kontrollierbarkeit. Es besteht eine sehr große Gefahr einer nicht mehr revidierbaren Überdosierung. Verbunden mit den Gefahren einer schweren Immunreaktion und eines erhöhten Krebsrisikos. Die richtige Anwendung für eine leistungssteigernde Wirkung muss durch Ausprobieren herausgefunden werden. Tierversuchsergebnisse sind kaum auf den Menschen übertragbar.
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