Die Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care unter der Leitung von Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan ist wissenschaftlicher Partner eines neuen Projekts in Ruanda, das im Dezember 2025 an der University of Global Health Equity (UGHE) offiziell gestartet wurde. Ziel der Initiative ist der Aufbau des Butaro Human Development and Demographic Surveillance System (HD2SS).
Das Projekt verfolgt das Ziel, eine langfristige und umfassende Forschungsinfrastruktur zur systematischen Erhebung von Bevölkerungs-, Gesundheits- und Entwicklungsdaten im ländlichen Ruanda aufzubauen. Im Fokus steht der gesamte Butaro-Sektor mit mehr als 38.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die kontinuierlich erhobenen Daten sollen künftig als Grundlage für evidenzbasierte Gesundheitsplanung, wissenschaftliche Analysen sowie die Entwicklung und Evaluation gesundheitspolitischer Maßnahmen dienen.
Die wissenschaftliche Konzeption und methodische Ausgestaltung des HD2SS wurden bereits im Vorfeld des Kick-offs in einem Protocol Paper im „Rwanda Medical Journal“ veröffentlicht. Prof. Sudharsanan ist Co-Autor dieser Publikation, die den Aufbau, das Studiendesign sowie die thematischen Schwerpunkte des Überwachungssystems detailliert beschreibt. Das Protocol Paper unterstreicht den wissenschaftlichen Anspruch des Projekts und schafft Transparenz hinsichtlich der Datenerhebung, der Datenanalyse sowie der ethischen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig bildet es eine zentrale Grundlage für die internationale Anschlussfähigkeit und langfristige Nutzung der erhobenen Daten in Forschung und Politik.
„Längsschnittliche, qualitativ hochwertige Bevölkerungsdaten sind eine zentrale Voraussetzung, um Gesundheits- und Entwicklungsbedarfe zu verstehen und wirksame Präventionsstrategien zu entwickeln“, betont Prof. Sudharsanan. „Mit dem HD2SS wird eine Forschungsplattform geschaffen, die es erlaubt, soziale, demografische und gesundheitliche Entwicklungen über die Zeit hinweg systematisch zu analysieren.“
Die Professur von Prof. Sudharsanan bringt insbesondere Expertise in den Bereichen Bevölkerungsforschung, soziale und verhaltensbezogene Determinanten von Gesundheit sowie datenbasierte Ansätze zur Prävention von Krankheiten und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung ein. Die Beteiligung der TUM stärkt den internationalen und interdisziplinären Charakter des Projekts und trägt dazu bei, Erkenntnisse aus der globalen Gesundheitsforschung mit lokalen Kontexten zu verknüpfen.
Die Veranstaltung brachte rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen. Vertreten waren unter anderem das ruandische Gesundheitsministerium, lokale und regionale Behörden aus dem Burera District, nationale Forschungs- und Statistikbehörden sowie zahlreiche internationale Partnerinstitutionen. Neben der TUM zählen dazu verschiedene Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Afrika, Europa und Nordamerika.
Im Rahmen des Programms wurde das HD2SS als dynamisches, offenes Kohorten- und Überwachungssystem vorgestellt, das langfristig hochwertige und kontinuierliche Daten zu demografischen Entwicklungen, Gesundheitsindikatoren und sozialen Lebensbedingungen liefern soll. Ein eigens produziertes Kurzvideo veranschaulicht Zielsetzung und Aufbau des Projekts und gibt Einblicke in die geplante Arbeit vor Ort; es wurde im Zuge des Kick-offs veröffentlicht und ist online abrufbar.
Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf dem Aufbau und der Vertiefung internationaler Partnerschaften. Die Vertreter etablierter demografischer Überwachungssysteme unterstrichen die Bedeutung des HD2SS für die nationale Gesundheitsstrategie Ruandas sowie für die globale Gesundheitsforschung. Auch Prof. Sudharsanan hob die Relevanz der Zusammenarbeit hervor: „Gerade in der globalen Gesundheitsforschung ist es entscheidend, Forschungskapazitäten gemeinsam mit lokalen Institutionen aufzubauen und langfristig zu stärken. Die Partnerschaft mit der UGHE ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.“
Mit dem erfolgreichen Kick-off und der bereits veröffentlichten wissenschaftlichen Protokollpublikation ist ein zentraler Meilenstein für den Aufbau einer der bislang umfassendsten bevölkerungsbezogenen Forschungsplattformen in Ruanda erreicht. In den kommenden Jahren soll das HD2SS schrittweise ausgebaut werden.
Zum Protocal Paper im “Rwanda Medical Journal”
Zur Homepage der Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care
Kontakt:
Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan
Rudolf Mößbauer Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24990
E-Mail: nikkil.sudharsanan(at)tum.de
Text: Romy Schwaiger
Fotos: UGHE/Andreas Heddergott, TUM