Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat im Januar 2026 einen neuen Policy Brief zum Thema „Prävention stärken & neue Therapieansätze nutzen: Wie lässt sich die Adipositas-Epidemie eindämmen?“ veröffentlicht. An der Erarbeitung waren auch Prof. Dr. Renate Oberhoffer, Vice Dean Talent Management and Diversity an der TUM School of Medicine and Health und Leiterin des Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie, sowie Prof. Dr. Michael Laxy, Leiter der Professur für Public Health und Prävention, beteiligt. Der Policy Brief wurde von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe der Leopoldina entwickelt, die Strategien zur wirksameren Prävention und Behandlung von Adipositas in Deutschland vorschlägt.
Das Papier macht deutlich: Adipositas ist eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart. In Deutschland sind fast jedes sechste Kind sowie rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen von Übergewicht betroffen; etwa ein Viertel der Erwachsenen leidet unter Adipositas. Die Folgen reichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Diabetes bis hin zu Krebserkrankungen und verursachen erhebliche volkswirtschaftliche Kosten von rund 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was etwa 113 Milliarden Euro pro Jahr entspricht.
Vor diesem Hintergrund fordert der Policy Brief der Leopoldina eine Neuausrichtung der nationalen Adipositasstrategie, die Prävention und Therapie systematisch miteinander verbindet. Prof. Dr. Michael Laxy unterstreicht dabei die gesamtgesellschaftliche Relevanz des Themas: „Adipositas hat erhebliche gesundheitliche, soziale und ökonomische Auswirkungen – sowohl für die Betroffenen als auch gesamtgesellschaftlich. Der Policy Brief der Leopoldina zeigt Strategien auf, wie Prävention und Therapie von Adipositas in Deutschland erfolgreich gestaltet werden können.“
Prof. Dr. Renate Oberhoffer betont die Bedeutung rechtzeitiger Interventionen: „Wir müssen deutlich früher ansetzen, wenn wir die Adipositas-Epidemie wirksam eindämmen wollen – bereits in der Schwangerschaft, in den ersten Lebensjahren sowie in Kitas und Schulen werden die Grundlagen für lebenslange Gesundheit gelegt.“
Ein zentraler Vorschlag des Policy Briefs ist die Einführung einer nationalen Adipositas-Präventionsinitiative, die ressortübergreifend angelegt ist und Präventionsmaßnahmen systematisch bündelt. Dazu gehören unter anderem verbindliche Standards für gesunde Ernährung und Bewegung in Bildungseinrichtungen, steuerliche Lenkungsinstrumente wie Abgaben auf stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel sowie eine stärkere Regulierung der Werbung für ungesunde Produkte, insbesondere, wenn sie sich an Kinder richtet.
Neben der Prävention betont der Policy Brief auch die Bedeutung moderner Therapien. Neue Medikamente wie Inkretin-Mimetika können bei schwerer Adipositas und kardiovaskulären Begleiterkrankungen einen wirksamen Behandlungsansatz darstellen, sind jedoch bislang aufgrund gesetzlicher Regelungen und hoher Kosten nur eingeschränkt zugänglich. Die Leopoldina empfiehlt daher eine Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, um betroffenen Patientinnen und Patienten den Zugang zu diesen Therapien zu ermöglichen.
Auch hier bringt Prof. Oberhoffer ihre pädiatrisch-präventive Perspektive ein: „Prävention und moderne Therapieansätze dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist eine frühzeitige Prävention entscheidend, während bei schwer Betroffenen neue Medikamente und individuelle Therapiekonzepte dringend benötigt werden.“
Ergänzt werden diese medikamentösen Ansätze durch Lifestyle-Interventionen wie Bewegungs- und Ernährungsprogramme sowie durch chirurgische Therapien. Dazu zählen sogenannte bariatrische Operationen, etwa Magenbypass- oder Schlauchmagen-Eingriffe, bei denen das Verdauungssystem gezielt verändert wird, um das Körpergewicht, den Stoffwechsel und damit auch Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden nachhaltig zu verbessern. Diese Eingriffe kommen insbesondere bei Menschen mit schwerer Adipositas infrage, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind.
Mit ihrer Beteiligung an der Leopoldina-Arbeitsgruppe bringen Prof. Oberhoffer und Prof. Laxy die Expertise des Departments Health and Sport Sciences sowie der Public-Health- und Präventionsforschung der TUM in die nationale gesundheitspolitische Debatte ein. Der Policy Brief liefert eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für politische Entscheidungen und unterstreicht zugleich die Bedeutung universitärer Präventions- und Versorgungsforschung für die Bewältigung einer der größten Volkskrankheiten unserer Zeit.
Zum Policy Brief der Leopoldina
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Kontakt:
Prof. Dr. Renate Oberhoffer
Vice Dean Talent Management and Diversity
Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24570
E-Mail: renate.oberhoffer(at)tum.de
Prof. Dr. Michael Laxy
Professur für Public Health und Prävention
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24977
E-Mail: michael.laxy(at)tum.de
Text: Dr. Romy Schwaiger
Fotos: KI-generiert (OpenAI) / Leopoldina / Andreas Heddergott, TUM / Astrid Eckert, TUM