In der ARD-Wissenschaftssendung „Quarks“ vom 15. Januar 2026 stand eine Frage im Mittelpunkt: „Muskeln – Schlüssel zu einem langen, gesunden Leben?“. Moderator Ralph Caspers ging der Rolle von Muskelkraft für Gesundheit, Stoffwechsel und Alterungsprozesse nach. Mehrfach brachte dabei Prof. Dr. Henning Wackerhage, Leiter der Professur für Sportbiologie an der TUM, seine Expertise ein.
Einen erzählerischen Rahmen erhält die Sendung durch den 73-jährigen Pingo Magduschewski, der als „Fahrradfreak“ und „Best Ager“-Model vorgestellt wird. Magduschewski begann mit 69 Jahren erneut mit regelmäßigem Krafttraining. In der Sendung ist zu sehen, wie er im Fitnessstudio trainiert, draußen Fahrrad fährt und läuft. Sein Beispiel veranschaulicht, wie gezielte Bewegung – insbesondere Krafttraining – dazu beiträgt, auch im höheren Alter leistungsfähig zu bleiben, Muskelabbau zu verlangsamen und die eigene Gesundheit aktiv zu unterstützen. Der Kontakt zu Magduschewski kam über Prof. Wackerhage zustande, der ihn als passenden Protagonisten für die TV-Sendung vermittelt hatte. In dem Filmbeitrag wird der Effekt regelmäßiger Bewegung als Aktivierung der „körpereigenen Apotheke“ beschrieben.
Wissenschaftlich erklärt wird dieser Effekt durch Prof. Wackerhage. Er macht deutlich, dass Muskeln weit mehr sind als reine „Bewegungsmotoren“. Sie wirken als zentrales Stoffwechselorgan und beeinflussen Blutdruck, Immunsystem, Zuckerstoffwechsel und sogar das Krebsrisiko. Prof. Wackerhage betont, dass körperliche Fitness nicht allein durch Ausdauertraining erreicht werden kann: „Wenn man fit und gesund bleiben will – und das auch langfristig –, braucht es auf der einen Seite Ausdauertraining und auf der anderen Seite gezieltes Krafttraining. Das wird oft unterschätzt, dabei baut gerade das Krafttraining die Muskulatur auf, und genau das hat besondere gesundheitliche Effekte.“
Ein zentraler Mechanismus dahinter sind sogenannte Myokine – hormonähnliche Botenstoffe, die von der Muskulatur gebildet werden. „Myokine sind Muskelhormone, also Botenstoffe, die der Muskel produziert, ins Blut abgibt und die dann in anderen Organen wirken – etwa im Fettgewebe oder im Gehirn“, erklärt Prof. Wackerhage. Auf diese Weise beeinflusst die Muskulatur nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch Entzündungsprozesse, Stoffwechselregulation und sogar Stimmung sowie mentale Gesundheit.
Besonders anschaulich wird die Rolle der Muskeln beim Umgang mit Zucker aus der Nahrung. Während überschüssige Kohlenhydrate häufig als Fett gespeichert werden, können wachsende Muskeln sie als Baumaterial nutzen. Prof. Wackerhage beschreibt diesen Effekt mit einem prägnanten Bild: „Wenn ich Süßigkeiten esse, denkt man sofort, das wird direkt zu Fett oder führt zu Diabetes. Aber es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Wir nennen das den Weg vom ‚Fatbuilder‘ zum ‚Bodybuilder‘ – der Muskel nutzt den Zucker, um neues Muskelgewebe aufzubauen.“
Dahinter steckt ein leistungsstarker Stoffwechsel, der durch Muskelaufbau aktiviert wird. Wachsende Muskeln haben einen hohen Nährstoffbedarf und entziehen dem Blut kontinuierlich Zucker, Fette und Eiweiß. Prof. Wackerhage erklärt dieses Prinzip als „Sushi-Bar-Hypothese“: „Der Muskel greift metabolisch so viel aus dem Blut ab, dass anderen Geweben – insbesondere dem Fettgewebe – weniger übrig bleibt.“ Dadurch bleibt der Blutzuckerspiegel stabil, und die Einlagerung von Fett wird reduziert.
Am Beispiel von Pingo Magduschewski wird in der „Quarks“-Sendung gezeigt, dass diese Mechanismen auch im höheren Lebensalter aktiv bleiben. Krafttraining und regelmäßige Bewegung können Muskelmasse erhalten oder sogar wieder aufbauen – und damit entscheidend dazu beitragen, länger selbstständig, leistungsfähig sowie gesund zu bleiben.
Die „Quarks“-Folge wurde erstmals am 15. Januar 2026 um 20:15 Uhr zeitgleich im WDR, HR und SR ausgestrahlt und anschließend mehrfach wiederholt, unter anderem auf ARD alpha (am 18., 20. und 21. Januar). Damit erreichte der Beitrag ein breites Fernsehpublikum im gesamten Bundesgebiet.
Mit seinen Zitaten bringt Prof. Wackerhage die sportbiologische Expertise der TUM in eine breite öffentliche Debatte ein. Die „Quarks“-Folge verdeutlicht eindrucksvoll, wie eng moderne Muskelbiologie, Prävention und gesundes Altern miteinander verknüpft sind – und warum Muskeltraining ein zentraler Baustein für ein langes und gesundes Leben ist.
Zur Sendung „Quarks“ vom 15.01.2026 in der ARD-Mediathek
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Kontakt:
Prof. Dr. Henning Wackerhage
Professur für Sportbiologie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24480
E-Mail: Henning.Wackerhage(at)tum.de
Text: Dr. Romy Schwaiger
Fotos: ARD-Sendung „Quarks”