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„Vom ersten Herzschlag zu einem gesunden Leben“ – Prof. Dr. Renate Oberhoffer, Vice Dean der School und ehemalige Dekanin der Fakultät, hält Abschiedsvorlesung
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Nach mehr als drei Jahrzehnten an der Technischen Universität München und über 15 Jahren als Ordinaria des Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie nahm Prof. Dr. Renate Oberhoffer mit ihrer letzten Vorlesung Abschied von der TUM. Unter dem Titel „Vom ersten Herzschlag zu einem gesunden Leben“ blickte sie auf ihre wissenschaftliche Laufbahn zurück und zeigte, weshalb Prävention die Grundlage für ein gesundes Leben über alle Lebensphasen hinweg bildet.
Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus Wissenschaft, Medizin und Gesundheitswesen waren an den TUM Campus im Olympiapark gekommen, um Prof. Oberhoffer zu verabschieden. Auch die Hochschulleitung erwies ihr die Ehre: Vizepräsidentin Prof. Dr. Claudia Peus und Vizepräsident Prof. Dr. Gerhard Kramer nahmen ebenso an der Veranstaltung teil wie Kanzler Albert Berger. Auch Prof. Dr. Stephanie Combs, Dean der School of Medicine and Health war vor Ort dabei.
Durch die Veranstaltung führten Dr. Christiane Peters und Dr. Thorsten Schulz als die dienstältesten wissenschaftlichen Mitarbeitenden von Prof. Oberhoffer an ihrem Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie.
Den Auftakt der Veranstaltung bildeten Grußworte langjähriger Kolleginnen und Kollegen sowie wissenschaftlicher Partner. Prof. Dr. Wolfgang Locher, Generalsekretär des Ärztlichen Vereins München e.V. betonte: „Antritts- und Abschiedsvorlesungen haben im Ärztlichen Verein München eine lange Tradition. Es freut uns sehr, dass Prof. Oberhoffer diese Tradition mit ihrer Abschiedsvorlesung fortführt. Das ist ein schönes Zeichen ihrer engen Verbundenheit mit dem Ärztlichen Verein und der Münchner Wissenschaftslandschaft. Prof. Oberhoffer, Sie stehen in der Tradition des großen Pädiaters Napoleon August von Hauner (1811–1884).“
Prof. Dr. Stephanie Combs, Dekanin der TUM School of Medicine and Health, stellte insbesondere den Beitrag von Prof. Oberhoffer zur Entwicklung der School heraus: „Renate Oberhoffer hat die TUM School of Medicine and Health in einer entscheidenden Phase mitgestaltet. Mit ihrem Engagement für Prävention, Interdisziplinarität und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat sie unsere School nachhaltig geprägt. Unsere Zusammenarbeit war stets von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und einem offenen, kollegialen Austausch geprägt, dafür bin ich ihr sehr dankbar. Du bist das Gesicht dieses TUM-Campus.“
Im Anschluss wurde Prof. Oberhoffer mit dem Angela Molitoris Diversity Award ausgezeichnet. Der Preis würdigt Mitarbeitende der Technischen Universität München, die sich in besonderer Weise für Chancengleichheit und Diversity engagieren. Überreicht wurde die Auszeichnung von Prof. Dr. Claudia Peus. Die Vizepräsidentin für Talent Management und Diversity betonte in ihrer Laudatio: „Angela Molitoris war die erste Kanzlerin der TUM und eine echte Pionierin. Auch du, liebe Renate, hast an unserer Universität Pionierarbeit geleistet – als Medizinerin, als Dekanin und als Vice Dean für Talent Management and Diversity. Du hast Diversity nie als abstraktes Leitbild verstanden, sondern als gelebte Verantwortung. Mit deinem Engagement für Talentförderung, Chancengleichheit und eine Kultur der Wertschätzung hast du die TUM nachhaltig geprägt. Der Angela Molitoris Diversity Award ist deshalb eine mehr als verdiente Anerkennung deines außergewöhnlichen Einsatzes.“
Anschließend würdigte Prof. Dr. Joachim Hermsdörfer, Head des Departments Health and Sport Sciences, Prof. Oberhoffers prägenden Einfluss auf die Entwicklung des Departments – insbesondere während ihrer Zeit als Studiendekanin, Prodekanin und Dekanin: „Mit großem Weitblick hat Renate Oberhoffer das Thema Prävention als verbindendes Element unseres Departments etabliert. Sie hat Strukturen geschaffen, Kooperationen angestoßen und damit die Grundlage für viele Entwicklungen gelegt, von denen wir bis heute profitieren. Bereits als Studiendekanin hat sie mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge eine anspruchsvolle Reform erfolgreich umgesetzt und damit wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Besonders hervorheben möchte ich außerdem ihr großes Engagement für den Aufbau des TUM Sport and Health for Life, das sie maßgeblich vorangetrieben hat. Für all diese Errungenschaften gebührt ihr unser herzlicher Dank.“
Dass ihr wissenschaftlicher Einfluss weit über die TUM hinausreicht, machte Prof. Dr. Christine Joisten, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, deutlich: „Renate, du hast die Sportmedizin über viele Jahre entscheidend mitgeprägt. Mit dem Aufbau des Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie hast du etwas geschaffen, das in Deutschland einzigartig ist. Deine Arbeit hat weit über die TUM hinaus Wirkung entfaltet und unser Verständnis von Prävention nachhaltig verändert.“ Auch Dr. Sinann Al Najem, Leiter Prävention und Forschung der Deutschen Herzstiftung, hob die Bedeutung ihrer Arbeit für die Herz-Kreislauf-Medizin hervor: „Wie können Kinder gesund aufwachsen? Diese Frage hat Dein gesamtes wissenschaftliches und ärztliches Wirken geprägt. Du hast Prävention immer konsequent von den Bedürfnissen der Kinder her gedacht – mit dem Ziel, dass aus gesunden Kindern gesunde Erwachsene werden. Projekte wie „Kids to move!“ stehen beispielhaft für diesen Ansatz, weil sie wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar in die Praxis übertragen. Wissenschaft war für dich dabei nie Selbstzweck, sondern immer ein Mittel, um das Leben von Kindern und ihren Familien konkret zu verbessern.“
Für einen besonderen Akzent sorgte anschließend die Turnshow der Kinder-Wettkampfgruppen des USC München, unter der Leitung von Jenny Grob und Frank Grob, die das Leitmotiv der Veranstaltung – Bewegung als Grundlage eines gesunden Lebens – eindrucksvoll aufgriff.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war dann natürlich die letzte Vorlesung von Prof. Oberhoffer. Darin spannte sie den Bogen von ihren Anfängen in der Kinderkardiologie bis zu ihrer Forschung zur kardiovaskulären Prävention über die gesamte Lebensspanne. Seit 2008 leitete sie den Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie an der TUM. Gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe erforschte sie Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits im Kindes- und Jugendalter und entwickelte Präventions- und Interventionsprogramme für chronisch kranke Kinder und Jugendliche, insbesondere für Patientinnen und Patienten mit angeborenen Herzfehlern oder nach einer onkologischen Erkrankung. Ihr wissenschaftliches Credo: Die Grundlagen für lebenslange Gesundheit werden bereits in der frühen Entwicklung gelegt.
Neben ihrer Forschung gestaltete Prof. Oberhoffer die Entwicklung der TUM über viele Jahre auch in verschiedenen leitenden Funktionen mit. Von 2008 bis 2017 war sie Studiendekanin, anschließend ein Jahr Prodekanin und von 2018 bis 2023 Dekanin der damaligen Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften. In dieser Zeit etablierte sich Prävention als verbindendes wissenschaftliches Leitmotiv der Fakultät. Sie begleitete den Ausbau des Präventionszentrums, verantwortete die Berufung von acht Professorinnen und Professoren und gestaltete die Fusion der Fakultäten für Sport- und Gesundheitswissenschaften sowie Medizin zur heutigen TUM School of Medicine and Health maßgeblich mit. Seit 2023 engagierte sie sich als Vice Dean für Talent Management and Diversity für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie für eine wertschätzende und inklusive Wissenschaftskultur.
Zum 30. September wird Prof. Oberhoffer sowohl die Leitung des Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie als auch ihr Amt als Vice Dean für Talent Management and Diversity der TUM School of Medicine and Health abgeben. Dem TUM-Klinikum bleibt sie jedoch erhalten: Als Leiterin der Fetalen Kardiologie an der Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler des Deutschen Herzzentrums München sowie im Mutter-Kind-Zentrum des TUM-Klinikums wird sie ihre klinische Tätigkeit fortsetzen.
Dr. Till Lorenzen Geschäftsführer der TUM School of Medicine and Health, würdigte anschließend Prof. Oberhoffers langjähriges und herausragendes Engagement: „Liebe Renate, du hast unsere ehemalige Fakultät mit großer strategischer Weitsicht geführt und diesen Standort fachlich wie organisatorisch entscheidend weiterentwickelt. Rückblickend kann man sagen: Der Fakultät hätte in der Phase der Fusion nichts Besseres passieren können, als von dir begleitet zu werden. Mit großem Geschick hast Du zwei unterschiedliche Wissenschaftskulturen zusammengeführt, Vorbehalte abgebaut und Vertrauen geschaffen. Damit hast du den Grundstein für die heutige TUM School of Medicine and Health gelegt. Vor allem aber hast du uns immer wieder vor Augen geführt, dass Prävention und Bewegung zentrale Bausteine einer modernen Medizin sind – oder, wie wir heute alle wissen: Bewegung ist die beste Medizin. Für diese loyale und vertraute Zusammenarbeit, danke ich dir von ganzem Herzen.“
Zum Abschluss richtete Prof. Renate Oberhoffer noch einmal persönliche Worte an die Gäste und schloss ihre Abschiedsvorlesung mit den Worten: „Es war nicht immer alles einfach oder geradlinig – aber es hat mir große Freude bereitet. Eine Konstante meines wissenschaftlichen und beruflichen Weges war der Wunsch, Verbindungen zu schaffen: zwischen Menschen, zwischen Disziplinen und zwischen Forschung und klinischer Praxis. Für das Thema Prävention gab es dabei zum Glück immer Verbündete und Menschen, die diese Begeisterung geteilt haben. Gerade in der Kinderkardiologie weiß man, dass bei angeborenen Herzfehlern jede Sekunde zählt. Deshalb bin ich überzeugt: Gefäßgesundheit beginnt mit dem ersten Herzschlag, und Wissenschaft entfaltet ihre Wirkung erst dann, wenn sie die Menschen erreicht.
Mein Wunsch ist, dass wir die Kindergesundheit noch stärker in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen. Kindergesundheit ist keine Ausgabe, sondern eine Investition – mit der längsten Laufzeit und der höchsten Rendite, die ein Gesundheitssystem tätigen kann. Dafür brauchen wir eine starke Pädiatrie an der TUM, eine starke Münchner Kinder- und Jugendgesundheit, verlässliche Strukturen mit einem festen Budget für Prävention, frühzeitige Diagnostik, niedrigschwellige Beratungsangebote und eine Spitzenversorgung für Kinder und Jugendliche. Allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, danke ich von ganzem Herzen.“
Zur Homepage des Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie
Kontakt:
Prof. Dr. Renate Oberhoffer
Vice Dean Talent Management and Diversity
Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24570
E-Mail: renate.oberhoffer(at)tum.de
Text und Fotos: Bastian Daneyko