Studie des Lehrstuhls für Epidemiologie zeigt: HPV-Impfung senkt Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlich
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Die HPV-Impfung kann das Risiko für Krebsvorstufen und Gebärmutterhalskrebs deutlich reduzieren. Das zeigt eine neue Studie eines Forschungsteams des Lehrstuhls für Epidemiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Stefanie Klug. Erstmals wurde dabei anhand individueller Impfdaten untersucht, wie wirksam die HPV-Impfung unter den Bedingungen der regulären Gesundheitsversorgung in Deutschland ist. Die Studie „The effect of HPV vaccination on precancerous lesions and invasive cervical cancer in a low-vaccination-coverage setting in Germany: a retrospective cohort analysis“ wurde nun im Journal „The Lancet Regional Health” veröffentlicht.
Grundlage der Studie sind anonymisierte Gesundheits- und Verordnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Das Forschungsteam wertete die Daten von mehr als 600.000 Frauen aus, die zwischen 1990 und 2005 geboren wurden und in Bayern leben. Berücksichtigt wurden dabei die in den KVB-Daten dokumentierten HPV-Impfungen sowie spätere Diagnosen von Krebsvorstufen und invasivem Gebärmutterhalskrebs im Zeitraum von 2008 bis 2024. „Die KVB-Daten ermöglichen es uns, sehr große Teile der Bevölkerung über viele Jahre zu betrachten und dadurch auch erstmals die Langzeitwirkung der HPV-Impfung zu analysieren“, erklärt Prof. Dr. Stefanie Klug.
Von den untersuchten Frauen waren 33,8 Prozent vollständig und 13,3 Prozent teilweise gegen HPV geimpft. Bei vollständig geimpften Frauen war das Risiko für Krebsvorstufen um 52 Prozent niedriger als bei ungeimpften Frauen. Das Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs war sogar um 65 Prozent reduziert. „Die Impfung bewirkt ein deutlich reduziertes Risiko für solche Läsionen oder Zervixkarzinome“, sagt Dr. Gunther Schauberger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Epidemiologie. Die Ergebnisse bestätigen damit die Wirksamkeit der HPV-Impfung in Deutschland.
Ein besonderer Fokus der Studie lag auf dem Zeitpunkt der Impfung. Die Auswertungen zeigten, dass eine Impfung möglichst vor Beginn der sexuellen Aktivität erfolgen sollte. Wenn die Impfung erst nach einer möglichen HPV-Infektion erfolgt, kann ihre Schutzwirkung geringer ausfallen. Als Näherungswert für einen möglichen Beginn der sexuellen Aktivität untersuchte das Forschungsteam unter anderem, ob vor der Impfung hormonelle Verhütungsmittel verschrieben worden waren. Bei Frauen mit einer solchen Verschreibung zeigte sich ein erhöhtes Risiko für die untersuchten Erkrankungen. „Wichtig ist nicht nur, dass man impft, sondern auch, dass man rechtzeitig impft“, so Schauberger.
Die Ergebnisse sind auch vor dem Hintergrund der vergleichsweise niedrigen HPV-Impfquote in Deutschland relevant. Anders als beispielsweise in Schweden, Dänemark oder Schottland gibt es hierzulande kein organisiertes, schulbasiertes Impfprogramm. Die Impfung erfolgt vor allem über niedergelassene Ärztinnen und Ärzte.
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts waren 2024 rund 61 Prozent der 18-jährigen Frauen in Deutschland gegen HPV geimpft. Die Studie zeigt, dass die HPV-Impfquoten in Bayern noch geringer liegen. „In Ländern mit höherer Impfquote um 80 oder 90 Prozent gibt es meist organisierte schulbasierte HPV-Impfprogramme“, erläutert Prof. Klug. Die Forschenden sehen daher Potenzial, die Impfquote in Deutschland weiter zu erhöhen.
Neben der Impfquote spielt aus Sicht des Forschungsteams auch die Information der Bevölkerung eine wichtige Rolle. „Die Verbindung zwischen HPV-Infektionen und der Entwicklung von Krebs ist noch gar nicht so tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert“, sagt Schauberger. Vielen Menschen sei möglicherweise noch nicht ausreichend bekannt, dass HPV durch sexuelle Kontakte übertragen werden kann und langfristig zu Krebs führen kann. Eine frühzeitige Information von Eltern sowie stetige Weiterbildungen für Ärztinnen und Ärzte können dazu beitragen, mehr Kinder rechtzeitig gegen HPV zu impfen. Auch in Schulen sollten frühzeitig Inhalte rund um HPV und die HPV-Impfung vermittelt werden.
Die Studie liefert damit erstmals eine direkte Evidenz für die Wirksamkeit der HPV-Impfung gegen Krebsvorstufen und invasiven Gebärmutterhalskrebs in Deutschland. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse die Bedeutung einer möglichst frühen Impfung und einer hohen Impfquote. Die große Zahl ausgewerteter Datensätze und der Untersuchungszeitraum von 17 Jahren ermöglichen eine umfassende Analyse der Wirksamkeit der HPV-Impfung unter den Bedingungen der regulären Gesundheitsversorgung in Bayern.
Zur Homepage des Lehrstuhls für Epidemiologie
Zur Studie: „The effect of HPV vaccination on precancerous lesions and invasive cervical cancer in a low-vaccination-coverage setting in Germany: a retrospective cohort analysis“
Kontakt
Prof. Dr. Stefanie Klug
Lehrstuhl für Epidemiologie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24950
E-Mail: sekretariat.klug.epidemiologie(at)mh.tum.de
Dr. Gunther Schauberger
Lehrstuhl für Epidemiologie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24955
E-Mail: gunther.schauberger(at)tum.de
Text: Bastian Daneyko
Fotos: Privat