Dass Social Media in der Berichterstattung zunehmend an Bedeutung gewinnt, dürfte unbestritten sein. Doch was macht eine seriöse Social-Media-Berichterstattung aus, wie berichten öffentlich-rechtliche Sportkanäle und über welche Sportarten eigentlich? Antworten auf diese Fragen gab Wladimir Martynow, Head of Social Media bei BR24Sport, am 24. November 2025 im Rahmen des Moduls „Sportkommunikation und Sportsponsoring“.
In einer Gesprächsrunde mit den Kursleitern Bastian Daneyko und Romy Schwaiger sowie den rund 30 Studierenden berichtete Martynow unter anderem über seinen Arbeitsalltag bei BR24Sport, den Umgang mit gesellschaftlich relevanten Themen und über Karriere-Chancen für Studierende im Bereich Social Media.
Seine Karriere begann Martynow außerhalb des klassischen Sportjournalismus. Er studierte Sportökonomie an der Universität Bayreuth und sammelte anschließend Erfahrungen im Bereich Social Media, unter anderem bei der Münchner Beratungsagentur LOBECO GmbH. Dabei betreute er den Bayerischen Rundfunk zunächst als Kunden – eine Gelegenheit, die ihm später den Einstieg als Head of Social Media bei BR24Sport ermöglichte. Besonders prägend für seinen Werdegang im Sportjournalismus waren jedoch die zahlreichen Nebenjobs während des Studiums: Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Eventjobs, die Kontakte und Praxiserfahrung ermöglichten. „Diese Tätigkeiten haben mich letztlich dahin geführt, wo ich heute bin“, so Martynow.
Ein zentraler Aspekt der Redaktionsarbeit ist die Aufbereitung und Erstellung von Inhalten. Das Team recherchiert Themen, erstellt Postings, verarbeitet Zulieferungen von Reportern, die auf den Wettkämpfen vor Ort sind, und veröffentlicht diese. Gerade in ruhigeren Phasen, etwa während des klassischen „Sommerlochs“ im Sport, zeigt sich die kreative Seite der Social-Media-Arbeit: Hintergrundgeschichten oder interaktive Formate sollen die Community auch außerhalb der Saison am Sport teilhaben lassen. „Auch, wenn keine großen Fußballspiele oder Wintersportevents anstehen, möchten wir den bayerischen Sport für die Rezipienten sichtbar machen“, so Martynow.
Er betonte dabei den Grundsatz der Redaktion: „Wir sind die Heimat des Bayerischen Sports.“ Relevanz und journalistische Einordnung stehen für das Team über reinen Klickzahlen – nicht jeder Beitrag müsse viral gehen, solange er für die bayerische Sportlandschaft von Bedeutung ist. Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist zudem das Community Management, insbesondere der Umgang mit Hasskommentaren. „Kommentare, die beleidigend oder rassistisch sind, löschen wir natürlich und verweisen immer auf unsere Netiquette“, stellt Martynow klar.
Auch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich und politisch relevanten Themen gehört zum Berufsalltag. Dabei betonte er, dass es prinzipiell keine Tabubereiche gebe, solange eine Relevanz zum Sport oder zu gesellschaftlichen Debatten bestehe. So berichtete die Redaktion beispielsweise über viel diskutierte Themen wie die Münchner Olympia-Bewerbung oder rechtsextreme Vorfälle in Fußballkurven. „Ich finde es wichtig, auch solche Fälle zu behandeln. Wir sind Demokratieförderer – das ist im Grunde unser Auftrag“, so Martynow.
Neben der inhaltlichen Ausrichtung ist für den Erfolg der Social-Media-Arbeit auch die Teamstruktur entscheidend. Martynow beschreibt das Team als eines der „jüngsten Gewerke“ innerhalb der Sportredaktion. Die Redaktion ist jung, zwischen 22 und 30 Jahren, und überwiegend weiblich.
Zum Abschluss gab Martynow Einblicke, welche Fähigkeiten Studierende in dem Berufsfeld mitbringen müssen. Er betonte: „Die Tätigkeiten im Sportjournalismus sind anspruchsvoll.“ Voraussetzung seien ein gutes sportliches Grundverständnis, journalistisches Gespür, Kreativität und die Bereitschaft, auch am Wochenende zu arbeiten. „Wenn man diese Fähigkeiten und Kenntnisse mitbringt, ist dies ein idealer Einstieg, um in diesem Bereich Fuß zu fassen.“
Text & Fotos: Finn Lenzen