Wie gelingt erfolgreiche Kommunikation für einen internationalen Automobilkonzern? Und welche Kompetenzen sind dafür heute unverzichtbar? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen gab Jörg Kottmeier, Unternehmenssprecher für Konzernkommunikation und Politik-, Wirtschafts- und Finanzkommunikation der BMW Group, in einem Gastvortrag am 7. Juli 2025 am Arbeitsbereich für Medien und Kommunikation in München.
Im Rahmen des Seminars „Sport-PR für Vereine, Verbände und Unternehmen“ berichtete Kottmeier über die vielfältigen Aufgabenfelder der Unternehmenskommunikation bei der BMW Group. Unter der Moderation von Prof. Dr. Michael Schaffrath, Leiter des Arbeitsbereichs für Medien und Kommunikation, erläuterte er außerdem, welche Herausforderungen die digitale Transformation heute mit sich bringt. Rund 30 Studierende nutzten die Gelegenheit, dem erfahrenen Diplom-Journalisten und Industriekaufmann in einer lebendigen Diskussion zahlreiche Fragen zu stellen.
Kottmeier, der selbst mehrere Jahre als Lehrbeauftragter an der TU München tätig war, gab zunächst einen Einblick in die Organisation der Kommunikationsabteilung des global agierenden Automobilherstellers. Weltweit sind über 500 Kommunikatoren bei der BMW Group beschäftigt. Das Verhältnis von Männern und Frauen sei dabei ausgeglichen.
Anschaulich schilderte der Unternehmenssprecher, wie wichtig tägliche Abstimmungen im gesamten Konzern sind. Jeder Morgen starte bei ihm mit der Lektüre des Medienspiegels und zahlreicher wichtiger Newsletter. „In meiner Rolle muss ich natürlich immer wissen, was und wie gerade über unser Unternehmen und die Automobilbranche berichtet wird“, sagt Kottmeier. In der allmorgentlichen Chefredaktionsrunde wird u.a. das Vorgehen bei aktuellen Themen diskutiert und abgestimmt und an alle relevanten Kommunikatoren weitergegeben, um einheitliche Aussagen sicherzustellen. „Die kommunikative Richtung muss klar sein. Diese One-Voice-Kommunikation ist zentral“, erklärt Kottmeier.
Ein weiterer Schwerpunkt des Besuchs im Seminar war das Themenfeld „Sportkommunikation“. Diese verantwortete Kottmeier 16 Jahre bei der BMW Group. Der Automobilkonzern ist als Teilnehmer, Partner oder Sponsor nicht nur im Motorsport, sondern auch im Golf, Laufsport, Wintersport, Tennis und Segeln aktiv. Für diese Sportarten sind mehrere Kommunikatoren zuständig, die im regelmäßigen Austausch mit den Medienvertretern stehen.
Mit Blick auf die fachlichen Qualifikationen und persönlichen Fähigkeiten für den Beruf betonte Kottmeier vor allem drei Punkte: Erstens eine Grundbegeisterung für das Thema. Zweitens sei ein gutes Sprachgefühl in Wort und Schrift entscheidend. Insbesondere bei Social Media komme es darauf an, Inhalte für die unterschiedlichen Kanäle prägnant umzuformulieren, ohne die Botschaft zu verlieren. Und drittens helfe laut Kottmeier das Wissen über die Arbeits- und Denkweise der Journalisten: „Man muss sich als Unternehmenssprecher immer wieder überlegen: Welche Fragen könnten die Medienvertreter stellen? Und wie lauten die entsprechenden Antworten des Unternehmens?“
Als eine der wesentlichen Veränderungen der Medienbranche in den vergangenen Jahren beschreibt Kottmeier die „Schnelllebigkeit der Kommunikation“. „Wir haben eine 24/7-Aktualität, die ständige Entscheidungen erfordert, und das durchaus auch mal nachts.“ Durch Social Media müsse die Unternehmenskommunikation zusätzlich nicht nur mehrere Kommunikationskanäle zielgruppenspezifisch selbst bespielen, sondern die entsprechenden Kanäle auch beobachten und gegebenenfalls reagieren. Hinzu komme der gewohnte und seit Jahren gelebte Austausch mit den Medienvertretern. In der Zusammenarbeit mit Journalisten seien Glaubwürdigkeit und Vertrauen ganz wesentliche Faktoren.
Neben Social Media verändere künftig auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) die kommunikativen Aufgaben weiter. „Wir nutzen KI auch in der Unternehmenskommunikation in zahlreichen Bereichen“, bestätigte Kottmeier. Aber das letzte Wort vor einer Veröffentlichung – „das hat der Mensch.“
Text und Fotos: Jasmin Schol