Reformbedarf im Gesundheitssystem: FinanzKommission Gesundheit legt ersten Bericht vor – Prof. Sundmacher und Prof. Laxy beteiligt
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Die FinanzKommission Gesundheit hat am 30. März 2026 ihren ersten Bericht mit Reformempfehlungen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgelegt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken nahm den Bericht im Rahmen der Bundespressekonferenz entgegen und stellte die Ergebnisse der Öffentlichkeit vor. Ziel der Kommission ist es, die Beitragssätze bereits ab 2027 zu stabilisieren und gleichzeitig ein hohes Versorgungsniveau zu sichern. Mit Prof. Dr. Leonie Sundmacher, Leiterin der Professur für Gesundheitsökonomie, und Prof. Dr. Michael Laxy, Leiter der Professur für Public Health und Prävention, sind gleich zwei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Departments Health and Sport Sciences der Technischen Universität München an der Kommission beteiligt.
Der Bericht verdeutlicht den akuten Handlungsbedarf: Ohne Reformen droht bereits im Jahr 2027 eine Finanzierungslücke von rund 15 Milliarden Euro, die bis 2030 auf etwa 40 Milliarden Euro anwachsen könnte. Gleichzeitig würden die Zusatzbeiträge für Versicherte deutlich steigen und damit das Solidaritätsprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung zunehmend unter Druck geraten.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die Kommission insgesamt 66 Reformempfehlungen erarbeitet. Diese umfassen Maßnahmen zur Begrenzung der Ausgabendynamik, zur Stärkung der Einnahmeseite sowie zur Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen. Ein zentraler Ansatz ist die stärkere Bindung der Ausgabenentwicklung an die Einnahmen, um die langfristige Finanzierbarkeit der GKV zu sichern. Darüber hinaus empfiehlt die Kommission, den Grundsatz der evidenzbasierten Medizin konsequent zu stärken und Leistungen ohne nachgewiesenen Nutzen künftig nicht mehr aus Mitteln der Solidargemeinschaft zu finanzieren.
Weitere Empfehlungen betreffen unter anderem:
die Begrenzung von Über- und Fehlversorgung, etwa durch Zweitmeinungsverfahren,
eine moderate Anpassung von Zuzahlungen,
die stärkere steuerliche Finanzierung versicherungsfremder Leistungen,
sowie die Stärkung der Prävention, beispielsweise durch höhere Steuern auf Tabak, Alkohol und zuckerhaltige Getränke.
Würden alle vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt, dann ergäbe dies ein Gesamtvolumen von rund 42 Milliarden Euro im Jahr 2027 und etwa 64 Milliarden Euro bis 2030. Das würde sogar die prognostizierte Finanzierungslücke deutlich übersteigen und würde so politischen Entscheidungsträgern Spielräume bei der Auswahl und Umsetzung der Reformen eröffnen.
Prof. Sundmacher, stellvertretende Vorsitzende der Kommission, betont die Bedeutung wirksamer und nachhaltiger Maßnahmen: „Eine nachhaltige Finanzierung erfordert, dass Leistungen für die Solidargemeinschaft wirksam sind und langfristig bezahlbar bleiben. Deshalb gehört auch die Stärkung der Prävention zu unseren Empfehlungen. Eine Anhebung der Steuern auf risikobehaftete Konsumgüter schafft Anreize für ein gesünderes Verhalten und trägt dazu bei, die Solidargemeinschaft zu entlasten.“
Auch Prof. Laxy unterstreicht die Notwendigkeit eines integrierten Reformansatzes: „Eine nachhaltige Stabilisierung der GKV kann nur durch ein Zusammenspiel aus evidenzbasierter, effizienter Versorgung und Prävention gelingen. Besonders wichtig ist dabei, gesundheitliche Ungleichheiten mitzudenken und Lasten fair zu verteilen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen liefern dafür einen konkreten und kurzfristig wirksamen Beitrag – der bereits ab 2027 zur finanziellen Stabilisierung beiträgt.“
Bereits im Vorfeld hatten der Arbeitsbereich für Medien und Kommunikation und die TUM über die Berufung von Prof. Sundmacher und Prof. Laxy in die FinanzKommission Gesundheit berichtet. Mit ihrer Beteiligung bringen beide ihre wissenschaftliche Expertise in Gesundheitsökonomie sowie Public Health und Prävention in die gesundheitspolitische Debatte ein und tragen dazu bei, evidenzbasierte Reformansätze für die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems zu entwickeln.
Zum Bericht der FinanzKommission Gesundheit
Zur Homepage der Professur für Gesundheitsökonomie
Zur Homepage der Professur für Public Health und Prävention
Kontakt:
Prof. Dr. Leonie Sundmacher
Professur für Gesundheitsökonomie
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24464
E-Mail: leonie.sundmacher(at)tum.de
Prof. Dr. Michael Laxy
Professur für Public Health und Prävention
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24977
E-Mail: michael.laxy(at)tum.de
Text: Dr. Romy Schwaiger/FinanzKommission Gesundheit
Fotos: BMG/Heinl, Astrid Eckert, TUM