„Kreative Ideen“, „strategisches Denken“ und ein „grundlegendes Verständnis für Sport und Medien“ – das sind drei zentrale Eigenschaften, die man in einer Sportmarketing-Agentur benötigt. Dies erläuterte Philipp Solf, Geschäftsführer und Executive Creative Director von WWP (Weirather-Wenzel & Partner), am 20. Januar 2026, im Rahmen des Seminars „Sportkommunikation und Sportsponsoring“ den knapp 40 Studierenden. Außerdem gab Solf Einblicke in die alltägliche Agentur-Arbeit und beschrieb Wege in dieses Berufsfeld.
Die von Prof. Dr. Michael Schaffrath moderierte Veranstaltung bot den Studierenden Gelegenheit, Einblicke in unterschiedliche Tätigkeitsbereiche des Sportmarketings zu gewinnen und Fragen zur beruflichen Praxis zu stellen.
Philipp Solf studierte an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Psychologie – eine Fächerkombination, die bis heute in seinem beruflichen Alltag nützlich ist. Nach mehreren Jahren in der Kreativ- und Werbebranche, unter anderem bei der Werbeagentur BBDO Interone, wo er verschiedene Positionen bis hin zum Creative Director durchlief, machte sich Solf schließlich als Berater für Markenstrategie und digitale Kommunikation selbstständig. Später kehrte er in eine Festanstellung als Creative Director bei der digitalen Sportmarketingagentur D/UNIT zurück, die von der Weirather-Wenzel & Partner AG (WWP Group) komplett übernommen wurde. Nach der Übernahme blieb er bei WWP Deutschland, wo er heute als Geschäftsführer und Executive Creative Director tätig ist.
Rückblickend betonte er, dass sein beruflicher Weg keineswegs von Anfang an klar vorgezeichnet gewesen sei: „Ich hatte zu Beginn eher eine vage Vorstellung, vielleicht journalistisch zu arbeiten – der Weg in die Kreativbranche hat sich dann erst im Laufe des Studiums ergeben.“
In Hinblick auf sein Studium hob Solf hervor, dass ihn viele Inhalte aus Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Psychologie bis heute begleiten. Die Auseinandersetzung mit Sprache spiele beispielsweise eine zentrale Rolle in seiner kreativen Arbeit, etwa beim Entwickeln von Botschaften, Headlines und Konzepten. Psychologische Kenntnisse seien insbesondere für das Verständnis von Zielgruppen und emotionalen Wirkungsmechanismen relevant, während die Kommunikationswissenschaft ein Fundament für das Verständnis von Medien und öffentlicher Kommunikation gelegt habe. „Ohne dass ich es damals genau so geplant hatte, profitiere ich heute in ganz unterschiedlichen Facetten von allen drei Studienfächern“, beschrieb Solf.
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Bedeutung von Kreativität im beruflichen Alltag. Kreativität lasse sich nur bedingt erlernen und erfordere vor allem Offenheit und die Bereitschaft, neuen Aufgaben bei Null zu beginnen. „Man darf keine Angst vor dem weißen Blatt haben“, betonte Solf. Gleichzeitig sei Kreativität im Sportmarketing stets an strategische Rahmenbedingungen gebunden: Ideen müssten nicht nur originell, sondern auch umsetzbar und vor allem markenkonform sein. „Am Anfang sucht man immer nach dem Fit, also den Übereinstimmungen zwischen Marke und Sport sowie nach Einstellungen, Werten oder Zielgruppen. Das bildet dann im Grunde eine Plattform oder einen Rahmen, in dem dann Kreativität entsteht.“
Im Zusammenhang mit kreativen Prozessen wurde auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz thematisiert. Diese könne kreative Arbeit unterstützen, etwa als Inspirationsquelle, ersetze jedoch nicht das eigenständige Denken: „KI kann helfen – aber die Idee muss am Ende immer noch von Menschen kommen,“ hob der WWP-Geschäftsführer hervor.
Anhand ausgewählter Projekte gab Solf auch Einblicke in die Arbeit von WWP Deutschland. Die Agentur ist sowohl in der Vermarktung als auch in der Umsetzung von Sponsoring-Engagements tätig. In der Praxis reiche das von Kampagnen und Eventformaten bis hin zu Content-Produktionen. Entscheidend sei weniger eine Fokussierung auf einzelne Branchen als vielmehr das Verständnis für Sportarten und Plattformen: „Für uns ist es wichtiger, die Logiken und Zielgruppen einer Sportart allgemein zu verstehen, als uns auf bestimmte Industrien festzulegen.“ Ein Beispiel für diese Herangehensweise ist das Loop One Festival 2025, ein Sommerbiathlon-Event im Münchner Olympiapark. Ziel sei es gewesen, eine etablierte Wintersportart in einem neuen, urbanen Kontext zu inszenieren und damit auch außerhalb der klassischen Saison Aufmerksamkeit zu erzeugen. „Für uns ging es vor allem darum, wie wir das Event positionieren und so kommunizieren, dass möglichst viele Zuschauerinnen und Zuschauer an diesem Wochenende dabei sind“, erklärte Solf.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Berufseinstieg und den Erwartungen an Studierende. Für eine Tätigkeit im Sportmarketing sei ein Bachelorabschluss grundsätzlich ausreichend, entscheidend seien jedoch vor allem praktische Erfahrungen. Praktika und Werkstudententätigkeiten böten wichtige Einblicke in den Berufsalltag und ermöglichten es, unterschiedliche Tätigkeitsfelder kennenzulernen. Besonders wichtig seien Engagement und Eigeninitiative. „Wenn jemand zeigt, dass er etwas lernen will und Interesse mitbringt, wirkt das immer sehr positiv“, so Solf. Sein Rat an die Studierenden: die Zeit im Studium aktiv nutzen und offen für verschiedene berufliche Wege bleiben.
Text und Fotos: Finn Lenzen