Wie sieht der Arbeitsalltag einer leitenden Person beim FC Bayern München aus? Wo liegen Chancen und Herausforderungen für den Frauenfußball? Mit diesen und weiteren Fragen konfrontierten die rund 30 Studierenden des Moduls „Sportkommunikation und Sportsponsoring” am Montag, 15. Dezember 2025, Bianca Rech, die als Direktorin den Frauenfußball beim FC Bayern München leitet. Nach einleitender Vorstellung sprach Rech mit den Kursleitern Bastian Daneyko und Romy Schwaiger in einer Gesprächsrunde über Themen wie die Social-Media-Präsenz der FC-Bayern-Frauenmannschaft, die Chancen für den Frauenfußball durch die Heim-Europameisterschaft 2029 sowie ihren Arbeitsalltag als Direktorin Frauenfußball beim FC Bayern.
Rech blickt auf eine langjährige Karriere im Fußball zurück – sowohl als Spielerin als auch in leitenden Funktionen. Geprägt sei ihre Laufbahn lange von einem dualen Ansatz gewesen: „Ich habe auf der einen Seite professionell Fußball gespielt – in der Nationalmannschaft, international in Schweden und national in der Bundesliga, unter anderem beim FC Bayern München. Aber ich habe eben auch eine Ausbildung zur Fachangestellten für Bürokommunikation sowie ein Studium zur Sportfachwirtin und Sportökonomin abgeschlossen. Lange Zeit habe ich Fußball gespielt mit dem zeitlichen Aufwand eines Profis, aber nebenbei auch geschaut, wie meine Zukunft aussehen könnte.“
Nach ihrer Spielerkarriere sammelte Rech Erfahrungen in verschiedenen Positionen – unter anderem als Geschäftsführerin im Jugendbereich von Viktoria Köln und bei der UEFA in der Schweiz – bevor sie schließlich zum FC Bayern wechselte. Heute verantwortet sie dort als Direktorin die strategische Entwicklung des Frauenfußballs und verbindet sportliche, organisatorische und wirtschaftliche Aufgaben: „Als Direktorin Frauenfußball bin ich im Grunde für alles ein bisschen zuständig.“ Neben der sportlichen Verantwortung für das Trainer- und Betreuerteam, die Spielerinnen sowie die operative Kaderplanung zählt auch die Koordination von Marketing, Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit zu ihrem Aufgabenbereich. Trotz der vielfältigen Zuständigkeiten legt Rech großen Wert darauf, nah am Team zu sein und mit der Mannschaft zu den Spielen zu reisen. Einen klassischen Arbeitsalltag gebe es dadurch nicht: „Es gibt keinen Tag, der aussieht wie der andere.“
Ein bedeutender Teil ihrer Arbeit ist die Sichtbarkeit des Frauenfußballs beim FC Bayern. Die Social-Media-Kanäle der Frauenmannschaft erzielen große Reichweiten – allein auf Instagram folgen ihnen rund 1,6 Millionen Menschen. Sie sind zentrale Plattformen für die Kommunikation mit den Fans. „Wir haben einen eigenen Social-Media-Kanal für die FC Bayern Frauen, der im nationalen Vergleich eine außergewöhnlich hohe Reichweite erzielt“, erklärte Rech. „Verglichen mit den Social-Media-Auftritten aller Männervereine der Bundesliga liegen wir aktuell auf Platz fünf. Das zeigt, welche Power die Kanäle der Frauenmannschaft haben – und welches Potenzial in Reichweite und Vermarktung steckt.“ Auch im europäischen Vergleich bewegen sich die FC Bayern Frauen hinsichtlich ihrer Reichweite unmittelbar hinter Top-Klubs wie dem FC Barcelona, dem FC Arsenal oder dem FC Chelsea. Innerhalb des deutschen Marktes nehmen sie damit eine klare Vorreiterrolle ein.
Für ihre privaten Social-Media-Profile sind die Spielerinnen weitgehend selbst verantwortlich. Viele lassen sich dabei von Agenturen oder Managements beraten; der Verein greift nur ein, wenn Inhalte mit den Vereinswerten, Partnern oder Sponsoren kollidieren. Rech betonte: „Wenn uns etwas auffällt, was nicht ganz so gut passt, dann sprechen wir das an. Aber grundsätzlich liegt die Verantwortung bei den Spielerinnen selbst.“
Neben der größeren Sichtbarkeit in den sozialen Medien sieht Rech auch im wirtschaftlichen und sportlichen Bereich große Chancen für den Frauenfußball. In den vergangenen Jahren habe sich das Sponsoring deutlich geöffnet: „Früher war es kaum möglich, explizit Partner der Frauenmannschaft zu werden. Heute gibt es mehrere FC-Bayern-Frauen-Partner. Die Entwicklung zeigt, dass der Frauenfußball zunehmend an Bedeutung gewinnt und eigene Vermarktungspotenziale bietet.“
Auch sportlich und organisatorisch besteht großes Potenzial, nicht zuletzt durch die Heim-Europameisterschaft 2029: „Die EM wird eine enorme Plattform sein, um die Sichtbarkeit des Frauenfußballs in Deutschland weiter zu steigern und junge Talente zu fördern“, so Rech. Für Vereine wie den FC Bayern eröffnen sich damit Möglichkeiten, sowohl die eigenen Strukturen zu stärken als auch Fans und Sponsoren noch stärker einzubinden.
Diese Entwicklung bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. „Wir haben unglaublich viele talentierte Spielerinnen, aber der Sprung von den Nachwuchs- oder unteren Ligen zu uns ist enorm“, erklärte die ehemalige Fußballerin. Gleichzeitig gelte es, die steigenden Erwartungen aus Medien, Sponsoring und Öffentlichkeit auszubalancieren. Diese Dynamik erfordere nicht nur Flexibilität, sondern auch langfristige Planung und klare Strukturen innerhalb des Vereins.
Abschließend gab Rech den Studierenden konkrete Einblicke in die Einstiegsmöglichkeiten beim FC Bayern. Der Verein arbeite in verschiedenen Bereichen – von Social Media über Athletik und Physiotherapie bis hin zum Trainerteam – regelmäßig mit Praktikantinnen und Praktikanten sowie Nachwuchskräften zusammen. „Wir haben in allen Bereichen immer wieder Praktikantinnen und Praktikanten, die bei uns mitarbeiten“, betonte sie und fügte hinzu: „Wir freuen uns immer, wenn junge Menschen ihre Ideen einbringen und uns unterstützen. Das ist eine spannende Chance, den Frauenfußball hautnah mitzuerleben und eigene Erfahrungen zu sammeln.“ Entscheidend seien dabei weniger formale Voraussetzungen als persönliche Eigenschaften: Offenheit, Authentizität und der Mut, Verantwortung zu übernehmen. „Man darf keine Angst haben, vor einer Mannschaft zu stehen und zu zeigen, dass man weiß, was man tut.“ Wer diese Haltung mitbringe, habe gute Chancen, beim FC Bayern Frauenfußball wertvolle praktische Erfahrungen zu sammeln.
Text & Fotos: Finn Lenzen