Athletinnen im Fokus: Neues WVL-Verbundprojekt „Athletin-D“ startet bundesweit
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Wie beeinflusst der Menstruationszyklus Training, Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Spitzensportlerinnen? Und wie können Athletinnen künftig noch besser unterstützt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das neue Verbundprojekt „Athletin-D“, das im Rahmen des Wissenschaftlichen Verbundsystems für den Leistungssport (WVL) vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) gefördert wird. Das auf vier Jahre angelegte Vorhaben läuft von 2026 bis 2030 und wird mit insgesamt 1,6 Millionen Euro gefördert. Auf das Department Health and Sport Sciences entfallen davon 253.000 Euro.
Zu den zentralen Antragsstellern zählt Prof. Dr. Karsten Köhler, Leiter der Professur für Bewegung, Ernährung und Gesundheit. Gemeinsam mit Forschenden aus den Bereichen der Sportmedizin, der Bewegungswissenschaft sowie der Sportpsychologie aus Bochum, Wuppertal und Freiburg werden in den kommenden vier Jahren neue Ansätze entwickelt, um die Trainingssteuerung und Gesundheitsversorgung von Athletinnen im olympischen und paralympischen Spitzensport evidenzbasiert weiterzuentwickeln. Der Projektantrag hatte sich in einem stark besetzten Bewerberfeld der BISp-Ausschreibung „Athletinnen im Spannungsfeld von Leistungsoptimierung und Gesunderhaltung“ durchgesetzt.
Geschlechtsspezifische Besonderheiten im Fokus
Obwohl Frauen einen großen Teil der internationalen Spitzensporterfolge Deutschlands ausmachen, bestehen in vielen Bereichen des Leistungssports weiterhin erhebliche Wissenslücken. Zahlreiche Trainings- und Gesundheitskonzepte basieren noch immer auf Daten männlicher Athleten. „Im wissenschaftlichen Bereich gibt es nach wie vor deutlich mehr Untersuchungen an Männern“, erklärt Prof. Köhler. „Deshalb wollen wir die geschlechtsspezifischen Besonderheiten von Athletinnen systematisch erfassen, um diese dann auch besser verstehen zu können.“
Im Mittelpunkt steht insbesondere der Menstruationszyklus und dessen mögliche Auswirkungen auf Trainingssteuerung, Leistungsentwicklung und Gesundheit. Auch Themen wie hormonelle Kontrazeption und Zyklusstörungen als Folge eines Energiedefizits sollen genauer untersucht werden.
„Wir wissen, dass sich der Menstruationszyklus vielfältig auf die Gesundheit und Leistung auswirken. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass Athletinnen individuell sehr unterschiedlich reagieren“, sagt Dr. Paulina Braunsperger-Wasserfurth, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Bewegung, Ernährung und Gesundheit und Mitantragsstellerin. „Genau darin liegt die Herausforderung, aber auch das große Potenzial.“
Wissenschaft und Praxis gemeinsam entwickeln
Ein zentrales Merkmal des Projekts ist die enge Zusammenarbeit mit der Sportpraxis. Über 20 olympische Spitzenverbände, Olympiastützpunkte sowie nationale und internationale Partnerorganisationen unterstützen das Vorhaben bereits.
In einer ersten Projektphase analysiert das Forschungsteam bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse und aktuelle Praxisansätze. Anschließend sollen gemeinsam mit Athletinnen, Trainerinnen und Trainern sowie medizinischem Fachpersonal praxistaugliche Lösungen entwickelt werden. „Es bringt uns wenig, wenn wir wissenschaftliche Konzepte entwickeln, die in der Praxis niemand nutzt“, betont Ernährungswissenschaftler Köhler. „Deshalb sprechen wir von Anfang an gemeinsam mit den Expertinnen und Experten sowie Athleten, die später mit unseren Lösungen in der Praxis arbeiten werden.“
Zyklusmonitoring und individuelle Unterstützung
Ein zentrales Projektziel ist die Entwicklung eines frei verfügbaren und individualisierbaren Zyklusmonitoringsystems. Dieses soll künftig in bestehende Monitoringsysteme integriert werden können und Athletinnen dabei unterstützen, zyklusbezogene Informationen mit Trainings- und Gesundheitsdaten zu verknüpfen.
Langfristig sollen dadurch individuelle Trainings- und Gesundheitsstrategien besser auf die Bedürfnisse von Athletinnen abgestimmt werden. Gleichzeitig möchte das Projekt dazu beitragen, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen. „Wir möchten kein zusätzliches System schaffen, das Athletinnen belastet“, erklärt Köhler. „Vielmehr sollen sie selbst einen konkreten Mehrwert daraus ziehen können – etwa durch bessere Informationen für Training, Gesundheit oder Regeneration.“
Mehr Wissen für den Frauensport
Übergeordnet verfolgt „Athletin-D“ das Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Praxis zu übertragen und bestehende Forschungslücken zu schließen. Die Ergebnisse sollen bereits vor Ende der Projektlaufzeit in konkrete Handlungsempfehlungen für den deutschen Spitzensport einfließen.
„Das Wichtigste ist es, dass wir in Zukunft mit mehr Wissen über dieses Thema sprechen. Es gibt noch viele Annahmen und Halbwahrheiten. Unser Ziel ist es, belastbare Daten zu schaffen und daraus Lösungen abzuleiten, die Athletinnen und ihrem Umfeld tatsächlich helfen“, erläutert Prof. Köhler abschließend.
Zur Homepage der Professur für Bewegung, Ernährung und Gesundheit
Zur Pressemitteilung des WVL-Verbundprojekt „Athletin-D“
Kontakt
Prof. Dr. Karsten Köhler
Professur für Bewegung, Ernährung und Gesundheit
Am Olympiacampus 11
80809 München
Telefon: 089 289 24488
E-Mail: karsten.koehler(at)tum.de
Dr. Paulina Braunsperger-Wasserfurth
Professur für Bewegung, Ernährung und Gesundheit
Am Olympiacampus 11
80809 München
Telefon: 089 289 24488
E-Mail: paulina.wasserfurth@tum.de
Text: Bastian Daneyko
Fotos: TUM | Heddergott