LernARENA beim IASSIDD-Europakongress 2026 in München
Vom 28. bis 31. Juli 2026 fand in München der 7. Europäische Kongress der IASSIDD (International Association for the Scientific Study of Intellectual and Developmental Disabilities) statt, der weltweit führenden Fachgesellschaft für die Erforschung intellektueller und entwicklungsbezogener Behinderungen. Ausgerichtet von der LMU, Lehrstuhl Sonderpädagogik - Pädagogik bei geistiger Behinderung einschließlich inklusiver Pädagogik unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Zentel (LMU) stand der Kongress unter dem Motto „real.time – Shaping the Future Together“ und widmete sich mit einem breiten Programm aus Vorträgen, Symposien, Workshops und Posterpräsentationen Themen wie gesellschaftlicher Teilhabe, Bildung, Gesundheit und Inklusion. Auch die LernARENA war mit dabei: sowohl durch aktive Mitwirkung von Studierenden vor Ort als auch durch einen eigenen Roundtable-Beitrag.
Studierende als Helfende im Einsatz
Studierende aus dem Projekt LernARENA unterstützten den Kongress tatkräftig als Helfende. Sie betreuten die Postersessions und waren aktiv im Buddy-Programm des Kongresses eingebunden, in dessen Rahmen Studierende der LMU und der TUM gemeinsam mit Menschen mit intellektueller Behinderung feste Tandems bildeten. Als erste Ansprechpersonen übernahmen diese Tandems ganz unterschiedliche Aufgaben: von der Orientierung im Gebäude über die Übergabe kleiner Geschenke an Referierende bis hin zum fotografischen Festhalten der Kongresstage. Unterstützt wurden sie dabei von Apple, das die Buddy-Teams mit iPhones, iPads und AirPods ausstattete. Dabei waren verschiedene Barrierefreiheitsfunktionen inkludiert, wie einer Live-Übersetzung, die es erleichterte, Fragen internationaler Teilnehmender zu verstehen und den englischsprachigen Vorträgen zu folgen. Für die Studierenden war dies eine besonders unmittelbare Form des Austauschs und genau die Art von direktem Kontakt und Praxiserfahrung, die die LernARENA ermöglichen möchte.
Roundtable: Living Participation
Gemeinsam mit internationalen Kolleginnen gestaltete die LernARENA den Roundtable „Living Participation: Co-Creating Teaching and Learning between Theory and Practice“. Paula Drobinski stellte dabei die LernARENA und ihren Ansatz des gemeinsamen, partizipativen Lernens vor. Mit auf dem Podium war Dr. Amanda Farrugia (Malta College of Arts, Science and Technology), die als Senior Lecturer und Head Coach für Athletik bei Special Olympics Malta tätig ist. Sie sprach darüber, wie Schülerinnen und Schüler mit intellektueller Behinderung durch inklusiven Sportunterricht, Bewegung und Sport gestärkt werden können, und ging dabei auf Barrieren und förderliche Faktoren für inklusiven Sportunterricht in Malta sowie auf die daran beteiligten Akteurinnen und Akteure ein. Ebenfalls dabei war Melika Ahmetovic (LMU), Koordinatorin des Zusatzstudiengangs Pädagogik im Förderschwerpunkt Autismus-Spektrum, deren Forschung sich mit dem Ausschluss autistischer Schülerinnen und Schüler aus dem Schulsystem sowie mit dem Aufbau wirksamer Unterstützungsnetzwerke für einen gleichberechtigten Zugang befasst. Sie stellte unter dem Titel „Beyond Accessibility: Designing for Choice, Safety, and Participation“ am Beispiel des MASH Action Sport Events vor, wie Teilhabe über reine Barrierefreiheit hinaus gestaltet werden kann. Der Austausch mit diesen internationalen Kolleginnen zeigte, wie viel Potenzial in der Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Praxis und Menschen mit gelebter Erfahrung steckt. Dieses Format zeigt bereits ein zentrales Ziel der LernARENA: einen echten Austauschraum zu schaffen, in dem alle Beteiligten miteinander und voneinander lernen.
Keynote von Louis Kleemeyer
Ein besonderes Highlight des Kongresses war die Keynote von Louis Kleemeyer im Rahmen der Session „Accessibility – Empowering People, Enabling Possibilities“. Louis Kleemeyer, Special-Olympics-Athlet und Firmeninhaber von u.a. Unique.United, teilte in Form von Storytelling seine ganz persönlichen Erfahrungen und Perspektiven insbesondere auf den Arbeitsmarkt. Louis Kleemeyer berät nicht nur das Team der LernARENA er ermöglichte auch den Studierenden im Vorfeld des Kongresses Einblicke in seine Arbeit.
Begegnung auch abseits des Programms
Neben dem fachlichen Austausch bot der Kongress auch abseits des wissenschaftlichen Programms zahlreiche Gelegenheiten zur Begegnung wie eine inklusive Tanzaufführung, ein gemeinsamer Grillabend mit Live-Musik. Über die gemeinsame Vorbereitungszeit und die intensiven Kongresstage hinweg entstanden dabei nicht nur fachliche Kontakte, sondern auch neue Freundschaften, ein weiterer Beleg dafür, wie gut Inklusion und Begegnung gelingen können, wenn Menschen einfach zusammenkommen.
Ein weiterer Schritt im Austausch
Die Teilnahme am IASSIDD-Europakongress hat der LernARENA neue, spannende Einblicke in aktuelle Forschung und Praxis eröffnet und gleichzeitig gezeigt, wie wertvoll es ist, sich mit internationalen Akteurinnen und Menschen mit gelebter Erfahrung direkt auszutauschen. Für die beteiligten Studierenden war der Kongress eine besondere Gelegenheit, das, was sie in der LernARENA lernen und erleben, unmittelbar in die Praxis zu tragen und ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer Hochschule als inklusivem und partizipativem Lern- und Lehrsetting. Mit Vorfreude blicken wir bereits auf den nächsten IASSIDD World Congress 2027 in Dublin, der weitere Gelegenheiten zum internationalen Austausch bieten wird.