Klimawandel und Gesundheit

Der Klimawandel kann als die größte Herausforderung angesehen werden, vor der die Menschheit als Gesamtes jemals stand. Trotz der sichtbaren Folgen des Klimawandels und eingehender Warnungen von Seiten der Wissenschaft mangelt es bisher an einer angemessenen Reaktion, sowohl auf globaler politischer als auch auf individueller Ebene. Gleichzeitig wurden die Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und der menschlichen Gesundheit bislang nur unzureichend untersucht. Im Rahmen mehrerer Teilvorhaben sollen daher unterschiedliche Schwerpunkte dieses Zusammenhangs in den Fokus unserer Forschung gerückt werden.
Teilvorhaben 1: Hitzebezogene Gesundheit
Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich bereits heute in einer deutlich erhöhten Hitzebelastung bemerkbar, die sich zunehmend als relevantes Gesundheitsrisiko für den Menschen darstellt. Unsere Arbeitsgruppe möchte daher zu einer nachhaltigen Verbesserung des hitzebezogenen Gesundheitsverhaltens beitragen. Auf Basis umfangreicher deutschlandweiter Erhebungen soll in einem ersten Schritt der Status Quo verlässlich abgebildet werden. Hierbei steht zunächst die Exploration zentraler Konstrukte (z.B. hitzebezogene Gesundheitskompetenz, hitzebezogenes Gesundheitswissen, Risikobewusstsein, hitzebezogene Gesundheitsbelastungen), ihr Verhältnis untereinander, sowie deren Operationalisierbarkeit im Vordergrund. In der Folge sollen Interventionen zur nachhaltigen Stärkung des hitzebezogenen Gesundheitsverhaltens insbesondere auch in urbanen Gebieten entwickelt und großflächig zur Verfügung gestellt werden.
Teilvorhaben 2: Zusammenhang zwischen hitzebezogenem und klimarelevantem Verhalten
Im Rahmen einer deutschlandweit erhobenen Stichprobe von mehr als 3.000 Erwachsenen werden in einem Teilprojekt mögliche Zusammenhänge zwischen hitzebezogenen und klimarelevanten Verhaltensweisen untersucht. Konkret wird u.a. geprüft, ob Personen, die angesichts einer zunehmenden Hitzebelastung präventive Maßnahmen ergreifen, ebenfalls ihre klimarelevanten Entscheidungen und Verhaltensweisen reflektieren und regulieren. Hintergrund ist die Frage, ob perspektivisch davon auszugehen ist, dass die Wahrnehmung einer zunehmenden Hitzebelastung, als ein Aspekt des Klimawandels, die Bereitschaft erhöhen kann, dem Klimawandel als zentrale Ursache dieser Entwicklung mit konsequenten Verhaltensänderungen zu begegnen.
Teilvorhaben 3: Klimaangst als Ausgangspunkt klimafreundlichen Verhaltens
Eine wichtige und gleichzeitig oft unterbewusste Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels könnte bei die sog. „Klimaangst“ spielen. Diese wird als nicht-pathologische, und demnach angemessene, Angst in Bezug auf den anthropogenen Klimawandel definiert. Während dies häufig zu Vermeidung führen kann, deutet bisherige Forschung auf der anderen Seite auch darauf hin, dass Klimaangst ein Ausgangspunkt für die Förderung klimafreundlicher individueller Verhaltensweisen sein kann. Diese Vermutung soll zunächst in der Zielgruppe von Studierenden untersucht werden. Zunächst wird mit Hilfe von Interviews und impliziten Verfahren untersucht, wie Klimaangst entstehen kann, wie bewusst diese wahrgenommen wird und welche Implikationen dies für klimarelevantes Verhalten hat. Daraufhin werden Zusammenhänge zwischen Klimaangst, klimafreundlichem Verhalten und möglicherweise moderierenden Variablen (auf den Klimawandel bezogene wahrgenommene Relevanz, Verantwortung, soziale Norm, Hoffnung und Selbstwirksamkeit) untersucht. Abschließend wird mit einem Computerexperiment untersucht, inwiefern diese potenziellen Moderatoren und infolgedessen auch klimafreundliches Verhalten gefördert werden können.
Bei Interesse am Thema insgesamt oder den einzelnen Teilvorhaben wenden Sie sich gerne an Dr. Joachim Bachner (Teilvorhaben 2 und 3) oder Dr. Jan Schmid-Ellinger (Teilvorhaben 1).