Wie können Kindertageseinrichtungen ihre Gesundheitskompetenz systematisch stärken und gleichzeitig Fachkräfte, Kinder und Familien im Alltag unterstützen? Mit dem neuen Projekt „Entwicklung, Umsetzung und Evaluation der gesundheitskompetenten Kindertageseinrichtung in der Gesundheitsregionplus Landkreis Neu-Ulm (GeKoRegio-Bayern II)“ führt die Professur für Health Literacy ihre Forschung im Setting „Kita“ fort.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Orkan Okan, Leiter des WHO-Kollaborationszentrums für Health Literacy, und den beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sophie Rauschmayr und Cara Krudewig, wird ein regional verankertes Interventionskonzept entwickelt, das die organisationalen Strukturen von Kindertageseinrichtungen gezielt stärkt und die Gesundheitskompetenz der Fachkräfte, Kinder sowie Familien langfristig verbessert.
„Wir sind sehr froh darüber, die Kooperation mit der Gesundheitsregionplus Landkreis Neu-Ulm im Projekt GeKoRegio-Bayern II fortsetzen zu können. In der ersten Förderphase haben wir gemeinsam bereits Konzepte, Modelle, Methoden und das Intervention-Framework für gesundheitskompetente KiTas entwickelt und möchten nun in der zweiten Förderphase konkrete Interventionen entwickeln und evaluieren“, erläutert Prof. Okan.
Weiterentwicklung des Vorgängerprojekts
Das Projekt knüpft unmittelbar an das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) geförderte Vorgängerprojekt GeKoRegio-Bayern I an. Dort entstanden erstmals ein partizipativ entwickelter Leitfaden zur gesundheitskompetenten Kindertageseinrichtung, ein umfassendes Transferkonzept sowie empirische Daten zur Gesundheitskompetenz des pädagogischen Personals und zur organisationalen Gesundheitskompetenz in Kitas. Die Ergebnisse stellen insbesondere Handlungsbedarfe in den Bereichen der Rahmenbedingungen, Teamkompetenz sowie Austausch und Vernetzung heraus. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für das neue Vorhaben, das vom 1. Oktober 2025 bis 30. September 2026 durchgeführt wird.
„Wir haben festgestellt, dass gewisse Bereiche bereits gut umgesetzt werden, andere aber noch deutliche Unterstützung brauchen – genau hier setzt GeKoRegio-Bayern II an“, erläutert Rauschmayr. Im Rahmen des Projekts sollen daher bedarfsgerechte Unterstützungsformate entwickelt werden –denkbar sind beispielsweise Workshops mit Leitungsteams oder Fortbildungen zur Gesundheits- und Vermittlungskompetenz, die Kitas auf ihrem Weg zu gesundheitskompetenten Organisationen unterstützen sollen.
„Das Ziel des Vorhabens ist es, Handlungsoptionen zu entwickeln, die nicht nur theoretisch sind, sondern tatsächlich in den Kita-Alltag integriert werden können“, so Krudewig. Die Intervention wird dabei gemeinsam mit den Einrichtungsleitungen, den pädagogischen Fachkräften sowie weiteren regionalen Stakeholdern erarbeitet, sodass ein praxisnahes und passgenaues Konzept entsteht, das sich an den Bedürfnissen der Gesundheitsregionplus des Landkreises Neu-Ulm orientiert.
Von der Praxis für die Praxis
Zu Beginn des Projekts werden Fokusgruppen mit den pädagogischen Fachkräften und Leitungen durchgeführt, um zentrale Bedürfnisse, Herausforderungen und förderliche Faktoren im Kita-Alltag sichtbar zu machen. „Nur, wenn das Personal selbst einbezogen wird, können wir ein Konzept entwickeln, das praxisnah und nachhaltig ist“, erklärt Rauschmayr. Die Ergebnisse fließen direkt in die Entwicklung eines alltagstauglichen, niedrigschwelligen Interventionskonzepts ein, das sowohl die Struktur- als auch die Prozessqualität in den Einrichtungen stärken soll. Der partizipative Ansatz stellt sicher, dass die Maßnahmen praxisrelevant bleiben und unmittelbar in den Alltag der Kitas integriert werden können.
Als struktureller Ansatz der Verhältnisprävention ist GeKoRegio-Bayern II im Handlungsfeld „Gesundheitsförderung und Prävention“ der Gesundheitsregionplus Landkreis Neu-Ulm verankert. Die regionale Zusammenarbeit ermöglicht eine bedarfsgerechte und nachhaltige Weiterentwicklung der Kita-Strukturen. Dabei werden sowohl Prozess- als auch Wirksamkeitsaspekte untersucht und in einem Umsetzungs- und Handlungskonzept (Manual) zusammengeführt.
Prof. Okan unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Mit GeKoRegio-Bayern II legen wir erstmals die Grundlage für ein evidenzbasiertes Interventionskonzept zur organisationalen Gesundheitskompetenz in Kitas. Die frühe Bildung ist ein zentrales Setting der Gesundheitsförderung, und wir freuen uns, dieses bislang kaum erforschte Feld weiterzuentwickeln – gemeinsam mit Fachkräften, der Region Neu-Ulm und einem interdisziplinären Expertinnen- und Expertenbeirat.“ Langfristig bietet das Projekt ein hohes Transferpotenzial. Die Erkenntnisse sollen perspektivisch allen anderen bayerischen Gesundheitsregionenplus als Orientierung dienen.
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Kontakt
Prof. Dr. Orkan Okan
Professur für Health Literacy
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24660
E-Mail: Orkan.Okan[at]tum.de / info.healthliteracy[at]tum.de
Sophie Rauschmayr
Professur für Health Literacy
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24991
E-Mail: sophie.rauschmayr[at]tum.de
Cara Krudewig
Professur für Health Literacy
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 289 24991
E-Mail: cara.krudewig[at]tum.de
Text: Bastian Daneyko
Fotos: Privat