Forschung
Forschungsprofil
Die psychische Gesundheitsversorgung steht vor einer grundlegenden Herausforderung: Wirksame psychologische Interventionen sind verfügbar, doch viele Menschen erhalten evidenzbasierte psychologische Unterstützung zu spät oder gar nicht. Unsere Forschung untersucht, wie digitale Technologien die Reichweite und die bevölkerungsbezogene Wirkung von Prävention und Behandlung erhöhen können. Neben diesem translationalen Schwerpunkt entwickeln wir neue psychologische Interventionen und untersuchen, wie Technologie deren Wirksamkeit und Passung auf individueller Ebene verbessern kann.
An der Professur für Psychologie und Digitale Psychische Gesundheitsversorgung verbinden wir psychologische Interventionsforschung mit Digital-Health-Forschung. Wir entwickeln und evaluieren digitale und Blended-Ansätze in den Bereichen Förderung psychischer Gesundheit, Prävention, Frühintervention und Behandlung. Unsere Forschung untersucht ihre Akzeptanz, Wirksamkeit, Sicherheit und potenziellen negativen Effekte sowie ihre Implementierung im Gesundheitswesen.
Über diese Bereiche hinweg verfolgt unsere Interventionsforschung zwei komplementäre Richtungen. Zum einen untersuchen wir in Bereichen, in denen bereits bewährte evidenzbasierte psychologische Interventionen existieren, ob, wie und unter welchen Bedingungen sich durch ihre Anpassung an digitale Formate vergleichbare Effekte erzielen lassen. Zum anderen entwickeln wir neue psychologische Interventionen, auch für Bereiche, in denen bislang nur wenige oder keine evidenzbasierten Ansätze verfügbar sind.
Wir nutzen digitale Formate, um Menschen dabei zu unterstützen, psychologische Fertigkeiten zu erlernen, einzuüben und langfristig im Alltag anzuwenden. Diese Formate können über klinische Kontakte hinaus strukturierte Unterstützung bieten. Wir untersuchen, wie sie gestaltet sein sollten, wann menschliche Begleitung erforderlich ist und wie digitale Komponenten in bestehende Präventions- und Behandlungspfade integriert werden können.
Unsere Forschung untersucht diese Fragen in unterschiedlichen Populationen und Settings, darunter auch im Bereich der psychischen Gesundheit von Studierenden.
Mehr Informationen finden Sie unter Projekte und Publikationen sowie unter den folgenden Überschriften:
Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt auf der Förderung psychischer Gesundheit und der Prävention. Gesundheitsförderung zielt darauf ab, psychologische Ressourcen und Wohlbefinden zu stärken. Prävention soll Risikofaktoren und beginnende Symptome reduzieren, bevor psychische Störungen entstehen oder Symptome chronisch werden.
Unsere Studien untersuchen, ob digitale Interventionen das Wohlbefinden fördern, Bewältigungsfertigkeiten stärken, veränderbare Risikofaktoren und beginnende Symptome reduzieren und das Auftreten oder Fortschreiten psychischer Störungen verhindern können.
Für Menschen mit bestehenden psychischen Problemen untersuchen wir die Wirksamkeit digitaler Interventionen als früh einsetzbare und skalierbare Angebote sowie die Bedingungen, unter denen sie etablierte Angebote ergänzen können. Ein besonderes Interesse gilt skalierbaren Ansätzen, die Gruppen erreichen können, die durch konventionelle Angebote häufig unterversorgt sind oder andere Formen professioneller Hilfe noch nicht aktiv in Anspruch nehmen. Dazu gehört auch die Frage, wie sich Akzeptanz, Engagement und anhaltende Nutzung psychologischer Interventionen verbessern lassen.
Blended Care verbindet digitale Interventionskomponenten mit Beratung oder Psychotherapie. Unsere Forschung in diesem Bereich verfolgt zwei komplementäre Richtungen. Erstens können digitale Komponenten persönliche Behandlungen, einschließlich Psychotherapie, verbessern, indem sie die therapeutische Arbeit zwischen den Sitzungen erweitern, das Einüben von Fertigkeiten und den Transfer in den Alltag unterstützen und dadurch klinische Ergebnisse verbessern. Zweitens können sie die Effizienz erhöhen: Wenn vergleichbare Ergebnisse mit weniger therapeutischer Zeit oder geringeren Ressourcen erzielt werden, können innerhalb bestehender Versorgungskapazitäten mehr Menschen behandelt werden. Wir entwickeln und evaluieren Blended-Modelle, um zu bestimmen, unter welchen Bedingungen diese Ziele erreicht werden können.
Digitale Interventionen sind häufig standardisiert, ihre Wirkungen unterscheiden sich jedoch erheblich zwischen einzelnen Personen. Wir untersuchen, welche Interventionen bei wem, unter welchen Bedingungen und über welche Mechanismen am besten wirken. Dazu gehören die frühzeitige Identifikation von Menschen, die von präventiven oder therapeutischen Interventionen profitieren könnten, die Vorhersage klinischer Verläufe und Interventionseffekte sowie die empirisch fundierte Zuweisung zu geeigneten Interventionen.
Ziel ist es, über durchschnittliche Behandlungseffekte hinauszugehen und zu untersuchen, ob Prävention und Behandlung besser auf individuelle Bedürfnisse und den erwarteten Nutzen abgestimmt werden können. Wir untersuchen künstliche Intelligenz sowohl als analytisches Instrument als auch als Bestandteil psychologischer Interventionen. Dazu gehören ihre Möglichkeiten, die Behandlungszuweisung sowie die Risiko- und Ergebnisvorhersage zu unterstützen und adaptive Interventionsinhalte und Begleitung bereitzustellen.
Wir untersuchen die potenziellen Vorteile und Grenzen dieser Ansätze. Der Einsatz von KI in der psychischen Gesundheitsversorgung erfordert klinische Evaluation, Sicherheitsmonitoring und eine sorgfältige Auseinandersetzung mit ethischen Fragen.
Für die Bewertung digitaler Interventionen im Bereich psychischer Gesundheit reicht der Nachweis ihrer Wirksamkeit unter kontrollierten Forschungsbedingungen nicht aus. Abhängig von der Forschungsfrage untersuchen wir auch Akzeptanz, Reichweite, Adhärenz, Sicherheit und potenzielle negative Effekte sowie die Wirksamkeit unter Routinebedingungen. Implementierungsstudien untersuchen, wie Interventionen in bestehende Versorgungsstrukturen integriert und dort nachhaltig verankert werden können. Gesundheitsökonomische Analysen vergleichen die Kosten und Ergebnisse unterschiedlicher Versorgungsmodelle und untersuchen, ob solche Interventionen ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen.
Neben Primärstudien zu Interventionen führen wir systematische Reviews, Metaanalysen und Metaanalysen auf Basis individueller Teilnehmendendaten durch. Diese Ansätze führen Ergebnisse über Studien, Interventionsformate, Populationen und Versorgungskontexte hinweg zusammen.
Evidenzsynthesen ermöglichen es uns zu untersuchen, wie robust Interventionseffekte sind, welche Gruppen profitieren, wie digitale Angebote im Vergleich zu Präsenzbehandlungen abschneiden, welche negativen Effekte auftreten können und welche Interventionskomponenten oder Implementierungsbedingungen mit besseren Ergebnissen verbunden sind. Die Ergebnisse fließen in die Planung neuer Studien ein und helfen, die verfügbare Evidenz in Präventions- und Behandlungskontexten einzuschätzen.