Über Uns

Die Professur für Gesundheitskompetenz wurde im November 2021 als W2 Tenure-Track-Professur an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität München gegründet. Sie ist international ausgerichtet und verfolgt einen interdisziplinären Forschungsansatz. Die Leitung der Professur liegt bei Prof. Okan.
Im Jahr 2023 wurde der Professur für Gesundheitskompetenz der Status eines WHO CC verliehen. Seitdem ist das WHO Kollaborationszentrum für Health Literacy unter der Leitung von Prof. Orkan Okan dort angesiedelt. Ziel ist die Unterstützung der WHO-Mitgliedstaaten bei der Entwicklung und Umsetzung nationaler Strategien und politischer Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz.
Gesundheitskompetenzforschung an der Professur für Gesundheitskompetenz schließt sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung ein und bezieht sich auf die Erziehungswissenschaft, Public Health, Medizin, Psychologie und Sozialwissenschaften.
Der Begriff ,,Gesundheitskompetenz“ wird an der Professur als dynamisches Konstrukt verstanden, das sich im Zusammenspiel individueller, sozialer und struktureller Bedingungen entwickelt. Diese Perspektive zeigt sich unter anderem in Projekten zur Weiterentwicklung kind- und jugendzentrierter Modelle der Gesundheitskompetenz, in denen Kinder und Jugendliche aktiv in den Forschungsprozess einbezogen werden, um ihre Erfahrungen und Perspektiven zu berücksichtigen (KoKo – Gesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen).
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Kindern, Jugendlichen und ihren sozialen Lebenswelten. Neben individuellen Fähigkeiten werden auch die Kontexte betrachtet, in denen Gesundheitskompetenz entsteht oder eingeschränkt wird, beispielsweise Schulen, Kindertageseinrichtungen und familiale Rahmenbedingungen. Regionale und partizipative Ansätze spielen dabei eine wichtige Rolle, etwa in der Forschung zur gesundheitskompetenten Kindertageseinrichtung (GeKoRegio-Bayern II). Als struktureller Ansatz der Verhältnisprävention legt das Projekt GeKoRegio-Bayern damit erstmals die Grundlage für Maßnahmen zur Stärkung der Kita-bezogenen Gesundheitskompetenz.
Im schulischen und Bildungsbereich befasst sich die Forschung sowohl mit der Förderung der Gesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen als auch mit der Rolle der Lehrkräfte. Thematisiert werden unter anderem Organisationsentwicklung, gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen und die nachhaltige Verankerung von Gesundheitskompetenz in Bildungseinrichtungen. Ein besonderer Fokus liegt auf der digitalen Gesundheitskompetenz im Kontext Schule (Durchblickt! – Digitale Gesundheitskompetenz in der Schule).
Darüber hinaus werden europäische Perspektiven einbezogen, etwa durch die Entwicklung von Kompetenzrahmen und Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte (BLISS – Boosting Health Literacy for School Students). Je nach Fragestellung werden auch erwachsene Bevölkerungsgruppen untersucht, beispielsweise im Hochschulkontext oder in digitalen Lebenswelten. Internationale Erhebungen erfolgen unter anderem im Rahmen des globalen Forschungsnetzwerks GLOBHL – Global Health Literacy Research Network (ehemals Covid-19 Health Litercay Network). Im Hochschulbereich werden zudem gesundheitsfördernde Interventionen für Studierende wissenschaftlich begleitet (BARMER Campus-Coach).
Inhaltlich beschäftigt sich die Professur mit verschiedenen Arten von Gesundheitskompetenz. Auch themenspezifische Zugänge wie die planetare Gesundheitskompetenz werden aufgegriffen, beispielsweise in Umwelt- und Bildungsprojekten für Kinder und Jugendliche (Naturhelden). Die psychische Gesundheitskompetenz wird unter anderem im Zuge der psychischen Gesundheit von Jugendlichen und ihren Familien in Europa erforscht (EARLY).
Die Hauptziele sind (a) die Förderung der interdisziplinären Forschung zur Gesundheitskompetenz, (b) die Weiterentwicklung der Gesundheitskompetenzforschung, (c) die Etablierung der Gesundheitskompetenz als wichtiges Thema der schulischen Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitserziehung und (d) die Generierung von Evidenz, um den Transfer von der Wissenschaft in die Praxis und in die Politik zu unterstützen. Diese Themen werden insbesondere auch durch Nachwuchswissenschaftler:innen mit bearbeitet, weswegen (e) die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein weiteres wichtiges Ziel im Forschungsprogramm der Professur für Gesundheitskompetenz ist. Das Forschungsprogramm besteht in den ersten Jahren aus den folgenden Säulen:
1. Theorie-, Konzept- und Methodenentwicklung
2. Entwicklung, Implementierung und Evaluierung von Interventionen
3. Längsschnittforschung und Lebensverlaufsansätze
Der methodische Forschungsansatz wird qualitative, quantitative und Mixed-Methods umfassen. Gesundheitskompetenz wird dabei in Theorien der Gesundheitsförderung und Prävention sowie Gesundheitskommunikation eingebettet und ein wesentlicher Fokus wird auf Digitalisierung und digitaler Transformation liegen. Soziale Ungleichheiten in der Gesundheit, Partizipation, Vielfalt und Inklusion stellen wichtige Querschnittsthemen dar und werden herangezogen, wenn sie für bestimmte Forschungsprojekte oder -fragestellungen notwendig und anwendbar sind. Die Erforschung der Gesundheitskompetenz wird mehrere Dimensionen des Konzepts umfassen, darunter die digitale Gesundheitskompetenz, die mentale Gesundheitskompetenz und ferner auch die Ernährungs-, Bewegungs- und insbesondere die Social-Media-Kompetenz sowie die kritische Gesundheitskompetenz.
Das Forschungsprogramm wird ergänzt durch Capacity Building, Forschungskooperationen, Networking und Internationalisierungsstrategien. Dies schließt regionale, nationale und internationale Drittmittelanträge ein.